Christofs «littl’ shop of ethics»

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Kurz vor Ladenschluss in der Webergasse in Schaffhausen: ich betrete den «ittl’ shop of ethics». Hinter der Theke steht ein bärtiger Mann, der mit einem Kunden plaudert. Ich hätte ihn, Facebook sei Dank, auch ausserhalb des Shops erkannt; es ist Christof Stelz, der Chef, mit dem ich mich für ein Interview verabredet habe. Ich schaue mich um, entdecke im hinteren Teil des Shops einen Raum mit Kleidern und Kosmetikprodukten – bis jetzt hatte ich gedacht, es handle sich beim «littl’ shop» um ein reines Lebensmittelgeschäft. Wie ich zurück zur Theke gehe, reicht mir Christof seine Hand und begrüsst mich herzlich. «Ich räum’ hier gleich mal auf, dann können wir gehen».

Dies Vorhaben verzögert sich; noch vier KundInnen betreten nacheinander das Geschäft, ich merke deutlich: die kommen nicht nur wegen der veganen Produkte, sondern auch in Erwartung eines kurzen «Schwatz» mit dem Herrn Stelz.

Schlussendlich sitzen wir dann aber doch noch im «Bella Italia» – Ich schlage die Menu-Karte auf: «Pizza Vegana» steht dort auf der ersten Seite, darunter reihen sich 8 derer veganen Pizzen. Später erfahre ich von Christof, dass er die Pizzeria dazu angeregt hat, das Sortiment um vegane Pizzen zu erweitern.

Während wir auf unsere Bestellungen warten, beginne ich mit meinen Fragen an ihn.

Adrian (vegan.ch): Wieso wurdest du vegan?

Christof: Mir wurde von Freunden das Buch «Tiere Essen» freundlich «aufgezwungen». Und obwohl ich das Buch zuende gelesen habe, war mir bereits nach ein paar Seiten klar, dass ich nie wieder Tierprodukte essen werde.

Hattest du dich davor noch omnivor ernährt?

Ich war noch Fleischesser, ja. Ich hatte mal meine vegetarische Phase, mal meine Biofleischphase – und kurz bevor ich das Buch las, hatte ich gerade meine ich-fress-alles-Phase. lacht

Und dann kam gleich der Wechsel auf vegan.

Genau. Nach 3 Wochen war alles Unvegane aufgebraucht.

Kaum vegan folgte ein veganer Laden?

Also tatsächlich hatte ich zumindest den Gedanken daran sehr schnell nachdem ich vegan wurde. Ich dachte, wenn ich mich mal selbstständig mache, dann wird’s ein kleiner veganer Laden. Dass es dann tatsächlich dazu kam, ist dem Umstand zu verdanken, dass ich bei meinem alten Job gekündigt wurde – rückblickend das beste, was mir passieren konnte. Und dann wollte ich auch gleich nie mehr für nen Chef arbeiten, es blieb also nur die Möglichkeit, nen veganen Laden aufzumachen.

Welches ist dein Lieblingsprodukt aus dem «littl’ shop»?

Eindeutig der «Schnouggi» Nougatriegel von Vantastic Foods. Ansonsten wär das eindeutig mein Hummus, ich mach das leckerste Hummus. lacht

Den gibt’s dann jeden Samstag bei mir im Shop. Dazu ein feines Focaccia und der Tag ist gerettet.

Wo willst du hin mit dem «littl’ shop»?

Das Anliegen, das ich habe mit dem «littl’ shop» ist, den Menschen die vegane Vielfalt zu zeigen. Ich erweitere ständig mein Sortiment, seit es den «littl’ shop» gibt, hab ich es verdreifacht.

Weiter werd ich in Winterthur noch einen Laden eröffnen in Kooperation mit Maria von «süss und vegan». Das wird dann also ein «littl’ shop of ethics» zusammen mit einer Konditorei.

Das Hauptaugenmerk wird aber auf vegane Schuhe und Kleider gerichtet.

In Schaffhausen die Lebensmittel und in Winterthur Kleidung und Schuhe?

Ja, in Schaffhausen ist’s halt irgendwie ein Lebensmittelladen – und die Klamotten werden gar nicht richtig bemerkt. Das gedenke ich in Winterthur anders zu machen; dass es dort zwar auch Lebensmittel hat, aber halt nicht primär.

Du hattest kürzlich das 1-jährige Jubiläum, sprich, vor einem Jahr hast du den «littl’ shop» eröffnet. Welche Reaktionen gab es darauf?

Also die Reaktionen von den Kunden und den Neugierigen war durchs Band positiv, ganz nach dem Motto «endlich auch in Schaffhausen». Die Webergasse ist halt echt ne coole, kleine, alternative Gasse mit ganz vielen so kleinen individuellen Läden. Deswegen passt der «littl’ shop»hier wunderbar rein und ich bin auch super von den WebergässlerInnen aufgenommen worden.

Medien?

Ja, ne kleine Medienressonanz gab’s da schon, eigentlich mehr als ich erwartet hatte. Auch kürzlich wieder einiges, zum Beispiel ein Artikel über vegan in Schaffhausen und Veganismus als wirtschaftlicher Faktor in Schaffhausen.

Wer ist deine Kundschaft?

Viele Neugierige, nicht nur Vegis oder Vegane, auch Leute, die über Attila Hildmann von vegan gehört haben, und AllergikerInnen.

Was denkst du hat der «littl’ shop» in Schaffhausen in veganer Hinsicht bewirkt?

Also der hat mit dazu beigetragen, dass einige Kneipen, Restaurants und Kaffees mittlerweile Sojamilch anbieten; dass sie vegane Mittagsmenus auf der Karte haben; dass die Beiz bei mir gegenüber sogar jetzt veganes Glacé anbietet, auch von der Green Fairy – mach ich auch gerne Werbung für schmunzelt -; dass es hier in der Pizzeria, in der wir jetzt sitzen, standardmässig vegane Pizza auf der Karte hat; und dass auch Bioläden und Reformhäuser ihr veganes Sortiment ausgebaut haben und auch vegane Produkte, die sie bereits verkauften, extra nochmal mit «vegan» deklariert haben. Die sehen jetzt halt auch, dass es läuft und die Nachfrage ist halt sicherlich auch gestiegen.

Hat es Platz für noch mehr vegane Shops in der Schweiz?

Auf jeden Fall. Die Leute kommen ja von überall zu mir in den «littl’ shop», teils auch um ihre Monatseinkäufe zu machen. Also der Bedarf an weiteren veganen Läden besteht auf jeden Fall.

Die Grossverteiler bauen aber auch ihr veganes Sortiment aus.

Ja, aber Migros und Coop können halt die dieselbe Qualität nicht bieten, zum einen den Service, zum anderen auch die Produkte; deren Sojamilch ist ja, wenn ich’s mal unvegan audrücken darf, für die Katz. Die Leute wollen eher in kleinen Läden einkaufen gehen, dort kennt man sie, es wird auf ihre Bedürfnisse eingegangen, man findet seltene Sachen, die man bei Grossverteilern eben doch nicht findet – und man darf auch nicht vergessen, dass Grossverteiler nicht ethisch sondern rein wirtschaftlich motiviert sind.

Wo steht die vegane Community in Schaffhausen?

Oh, das ist ne schwierige Frage. Es gibt zwar die veganen Stammtische, aber ich denke, so eine richtige Community gibt es noch nicht richtig. Auch, was vegane Aktionen angeht, würde ich mir noch mehr wünschen. Ich kuck auch, was ich selber noch dazu beitragen kann, dass das voran geht. Also möglicherweise kommt für den Tag der Milch Ende April etwas zustande, mal schauen. Sicher wird geflyert.

Du hast auch am World Vegan Month mitgemacht, wir waren dort deine Erfahrungen?

Es ging so, ehrlich gesagt. Aus der Region hier haben sich halt nicht so viele Leute angemeldet, aber für den diesjährigen haben wir ja mehr Vorbereitungszeit, das sollte also besser werden.

Eine letzte Frage: In deinem Logo ist eine Fledermaus. Wieso?

 

lacht Das ist ne ganz persönliche Geschichte. Mein kleiner Hund, die Phoebe, die sieht einfach aus wie eine Fledermaus. Die hat so ein Gesicht wie ne Fledermaus und hat so grosse Ohren. Das Logo hab ich selber auch kreiert, hat nichts mit vegan zu tun, das ist einfach meine persönliche Note.

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