V+ auf Reisen

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Wer gerne reist, weiss, dass es hin und wieder eine kleine Herausforderung sein kann, zu gutem veganen Essen zu kommen. Gerade in ländlichen Gebieten begnügt man sich dann oft mit einer einfachen Pasta mit Tomatensauce oder Salat und Pommes. Inzwischen ist aber das vegane Konzept endlich auch in der Hotellerie ausserhalb der Städte angekommen. Wir haben für euch zwei der ersten rein veganen Hotels in Europa getestet – eines in der Schweiz, das andere in Italien. Beide haben eines gemeinsam: den Anspruch auf einen professionellen Service, der auf Nachhaltigkeit und Fairness aufbaut.

Der vielleicht meist unterschätzte Kanton der Schweiz

Die Ostschweiz kennt man vor allem als Region, aus dem die vielen Äpfel kommen. An den Thurgau, der eher ländliche Kanton, denkt man vermutlich auch nicht gerade als erstes, wenn man (veganen) Urlaub machen möchte. Dabei hat diese schöne Gegend so viel zu bieten! Und ganz besonders: Kreuzlingen. Zumindest als Ausgangslage für ein entspanntes Wochenende ist das Städtchen am Bodensee geradezu perfekt. Hier befindet sich nämlich das Hotel Swiss die Krone – vermutlich eines der ersten Hotels in Europa mit veganem Konzept. Im sechsten Jahr wird hier nur vegan gekocht, gegessen und geschlafen.

Veganes Konzept und professionelle Hotellerie in einem

Das vier-Sterne Haus liegt zentral im Städtchen, an der Hauptstrasse, gut erreichbar zu Fuss vom Bahnhof – Die Strasse ist glücklicherweise nicht ganz so verkehrsreich, wie der Strassenname vermuten lässt. Wer hier anreist, hat gute Chancen, direkt vom Geschäftsführer und Gourmetkoch Raphael Lüthi in Empfang genommen und eingecheckt zu werden. Und mit noch etwas Glück bekommt man von ihm sogar noch ein feines Abendessen, trotz später Ankunft und nicht angekündetem Hunger.

Das Hotel führt nämlich, ausser Freitagabends, keinen regulären Restaurantbetrieb, sondern bietet neben dem Frühstück nur auf Voranmeldung den Hotelgästen abends ein Drei-Gänge-Menü an.

Nach dem Betreten des schon fast unanständig grossen Zimmers, wird erstmals lang und entzückt die schon fast königlich anmutende Badewanne, die sehr präsent im Raum steht, begutachtet. Ja, hier kann man es sich gut gehen lassen! Und hinter einer der vielen Spiegeltüren verstecken sich dann nicht nur Kleiderschränke, sondern auch noch ein Badezimmer.

So ein Zimmer verleitet einen jedoch schnell auch zu hohen Erwartungen. Als einziges vermochte das (natürlich auch rein vegane) Frühstücksbuffet am nächsten Morgen diesen nicht ganz gerecht zu werden. Was nicht heissen soll, dass man mit verschiedenen Birchermüesli, Joghurt, Milch, Confi, Brot, Käse, Früchte und Fruchtsäfte nicht auch satt und zufrieden werden kann. Heimlich hätte man sich aber ein paar hausgemachte Sachen mehr gewünscht.

Was aber besonders gefällt am Hotel, ist die perfekte Mischung aus gehobener Hotellerie, die ihre natürliche Lässigkeit beibehalten hat.

Einmal ist keinmal

In der Region rund um den Bodensee gibt es einiges zu tun und zu sehen. Im Sommer lädt der grosse Park zum Spazieren und Schwimmen im See ein, Velofahren lässt es sich in der Gegend ebenfalls wunderbar. Aber damit nicht genug: Museen (insbesondere das Napoleon Museum), die vielen kleinen Inseln im See und natürlich die hübsche Stadt Konstanz, die zum Bummeln oder ins Thermalbad einlädt und ein paar vegane Optionen in Cafés und Restaurants bietet.

Den legendären Brunch im Hotel Swiss die Krone, der einmal im Monat stattfindet und immer sehr gut besucht ist, haben wir leider verpasst bei unserem Besuch. Und angeblich soll auch die Atmosphäre in den Wintermonaten hier um den Bodensee bezaubernd sein, haben wir uns sagen lassen. Das müssen wir aber beides selber noch erlebt haben. Ihr ahnt unser Resümee bereits: Wir können es kaum erwarten nach Kreuzlingen zurück zu kehren!

Wermutstropfen: Die Zimmer sind sehr ringhörig. Wer einen leichten Schlaf hat, bringt am besten Ohropax mit.

Tipp: Falls Abendessen erwünscht ist, unbedingt voranmelden.

Highlight: Wer sich etwas gönnen will, bucht Zimmer Nr. 33 (Junior Suite).

Nachhaltig unterwegs im Südtirol

Wer noch nie im Südtirol war, kann sich die Kombination aus Italien und Österreich gar nicht so recht vorstellen. Es scheint wirklich weder das eine noch das andere so richtig zu sein und verschmelzt dafür zu einer einzigartigen Kombination. Die Berge und Gediegenheit erinnern an Österreich, die Leichtigkeit und Lebensfreude an Italien.

Nicht ganz so abgelegen, wie man vermutet, liegt das Hotel La Vimea im kleinen, beschaulichen Dorf Naturns. Das Haus ist schon seit Jahrzehnten im Familienbesitz. Im 2016 haben es Franziska und Benjamin Posch von den Eltern übernommen und renovieren lassen. Beim Umbau haben sie grossen Wert darauf gelegt, möglichst naturnahe Materialien zu verwenden – also viel Holz und Stein. Das sympathische, junge Paar beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit und Veganismus. Bei der Suche nach passenden Lieferanten haben sie es sich deshalb auch nicht einfach gemacht: Egal, ob beim Mobiliar oder in der Küche, es soll möglichst regional und nachhaltig produziert sein. Das sei nicht immer einfach, denn Kompromisse möchte man keine machen. Aber wer die Gelegenheit hat, sich mit dem netten Paar zu unterhalten, merkt sofort, dass sie diesen Aufwand gerne auf sich nehmen. Und zwar einfach, weil es ihnen wichtig ist.

Bananen und Avocado

…wird man auf dem Frühstücksbuffet im La Vimea deshalb kaum finden. Wer aber die Qual der Wahl zwischen all dem hausgemachten Brot, Kuchen, Muffins, Quiche, Gemüsestullen, Smoothies und vielem mehr hat, dem wird es ganz bestimmt an nichts fehlen. Dazu kann man auch noch frische Crêpes bestellen (unbedingt machen, ihr werdet es nicht bereuen!) und kommt somit aus dem Staunen und Probieren gar nicht mehr heraus. Hier lohnt es sich deshalb, früh aufzustehen, damit man sich richtig Zeit beim Geniessen lassen kann. Oder natürlich, um früh in die Berge aufzubrechen.

In der Übernachtung ist Halbpension inklusive. Vor dem Abendessen gibt es noch einen Apéro, den man auf der schönen Terrasse mit Blick auf den kleinen, aber feinen Naturteich geniessen kann. Wer gerne Wein trinkt, sollte unbedingt den Hauswein probieren, den die Familie Posch in der Toskana selbst herstellt. Neben dem Weingut betreiben sie dort noch den Agriturismo „i Pini“ ( –  dieser war bisher vegetarisch, wird aber gerade komplett auf vegan umgestellt). Den konnten wir auf unserer Reise zwar nicht besuchen. Wer aber abgelegen in der Natur sein möchte, soll hier so richtig auf seine Kosten kommen.

Unterwegs in Naturns

Das vier-Sterne Hotel bezeichnet sich als „Erwachsenenhotel“ und ist das erste rein vegane Hotel in Italien. Wir hoffen, dass noch viele folgen werden. Gerne auch im einfacheren Stil und günstigeren Segment. Bis dahin kommen wir aber gerne noch mehrmals nach Naturns ins La Vimea. Am besten nimmt man sich ein paar Tage oder gleich eine Woche Zeit dafür. Schliesslich sollte man stressfrei die hauseigene Sauna, das kleine Hallenbad mit Salzwasser oder die Sonnenterrasse und eine Abkühlung im Naturteich geniessen können. Die Frage nach der besten Jahreszeit erübrigt sich übrigens von alleine, denn das Hotel geht jeweils von November bis März in die Winterpause.

Das touristische Dörfchen Naturns ist nicht übermässig spannend. In der Region lässt es sich aber wunderbar Wandern (die Dolomiten sind einfach bezaubernd), Klettern, Mountainbiken, Schlösser oder das Städtchen Bozen besichtigen.

Wer für sich für einmal nicht fragen möchte, wie das Essen zubereitet wurde und ob die Köchin oder der Koch wirklich verstanden hat, dass man keine Butter am Gemüse möchte, ist hier am richtigen Ort mit den richtigen Menschen. Das La Vimea achtet nämlich darauf, dass die Gäste die kommen möchten, über das Konzept Bescheid wissen und ihm entsprechend offen und positiv gegenüber eingestellt sind. So können spannende Gespräche mit den Tischnachbarn entstehen, da man sicher schon mal eine Gemeinsamkeit auf sicher hat.

Und so stellen wir fest, dass die Kombination Italien und Österreich nicht nur wunderbar funktioniert, sondern ganz besonders im La Vimea in vollen Zügen genossen werden kann.

Wermutstropfen: Die Ayurvedabehandlungen und das Yoga sind gewöhnungsbedürftig und können getrost weggelassen werden.

Tipp: Die Anreise mit dem Zug ist etwas umständlich. Da lohnt sich die Anreise mit dem Auto oder eine ganze Woche Ferien.

Highlight: Ilaria. Wenn die herzliche, fröhliche und zuvorkommende Service Angestellte das vorzügliche Abendessen zum Tisch bringt, fühlt man sich sofort rundum wohl und in besten Händen.

Und was gibt es sonst noch?

Wer doch wieder ins Tessin fahren will und es gerne unkompliziert mag, dem können wir „Il Guardiano del Farro“ in Locarno empfehlen. Das kleine Bed & Breakfast verfügt über ein paar wenige Zimmer (früh buchen lohnt sich!), die praktisch eingerichtet sind. Das dazugehörige Bistrot und Café wird mit viel Freude von den Besitzern geführt und das Buffet lädt zum Schlemmen ein. Wen es dann auch noch nach Ascona verschlägt, kann sich im „Orto dei Golosi“ einen hausgemachten Burger, Pizza oder Muffin holen.

www.gdf.ch

Die Bündner Berge sind eigentlich (noch) nicht gerade als veganes Paradies bekannt. Da kann es auch mal schwierig werden etwas zu finden, das über eine Portion Pommes und Salat hinausgeht. Aber wer sucht, der findet! Im etwas verschlafenen Dorf Andeer gibt es das Hotel Post. Hier verschmilzt seit rund zwei Jahren urchiger Bergstil mit Hipster Atmosphäre. Das Innendekor will zwar nicht so richtig zusammen passen, dafür findet sich auch auf der Menükarte neben klassischen Bündner Spezialitäten viel Veganes und zwar kreativ und lustvoll umgesetzt. Und weil sie nicht genau wissen, was Veganer*Innen zum Frühstück mögen, servieren sie einfach mal von allem etwas – und treffen damit natürlich voll ins Schwarze. Wir sind nicht nur dem Bündner Dialekt (und Frühstück) sofort erlegen, sondern liessen uns auch von den vielen Möglichkeiten zu herrlichen Wanderungen in den umliegenden Bergen verzaubern. Danach kühlt man sich im Freibad ab oder bei Schlechtwetter wärmt man sich im Thermalbad auf. Im Winter gibt es ausserdem in unmittelbarer Nähe tolle Skigebiete. Ein Besuch wert!

www.postandeer.com

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