So geht vegan täto­wie­ren

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Schwein Tätowierung

Seit über neun Jah­ren arbei­tet Kim Ros­si­ni als Täto­wie­re­rin. Als sie 2015 vegan wur­de, frag­te sie sich, ob für ihre Arbeit eigent­lich Tie­re in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den. Die Ant­wort lau­tet: Lei­der ja. Doch Kim kennt mitt­ler­wei­le für alles eine Alter­na­ti­ve und teilt hier ihre per­sön­li­chen Tipps und Erfah­run­gen für Tat­too-Inter­es­sier­te.

Tat­toos? Nicht vegan?!

Als ers­tes denkt man an die Tin­te: Glück­li­cher­wei­se sind die meis­ten Tat­too­far­ben heut­zu­ta­ge «acci­dent­al­ly» vegan. Es gibt sogar Her­stel­ler, wel­che von sich aus ihre Fla­schen mit einem Label wie der Veg­an­blu­me ver­se­hen, was mir per­sön­lich ein bes­se­res Gefühl gibt. Am liebs­ten arbei­te ich mit der Tin­te von World Famous Ink, wel­che sogar die Auf­schrift Fore­ver Vegan und not tested on ani­mals tra­gen. Qua­li­ta­tiv gebe ich der vega­nen Tin­te kei­nen Abzug.

Was kann in Tin­te nicht vegan sein?

Tin­te besteht aus einer Mischung von Lösungs­mit­teln, Bin­de­mit­teln und Pig­men­ten. Alle drei kön­nen tie­ri­scher Her­kunft sein.

  • Als Lösungs­mit­tel wird oft Gly­ce­rin ver­wen­det, dass je nach Unter­neh­men aus pflanz­li­chen oder tie­ri­schen Fet­ten besteht.
  • Die Bin­de­mit­tel die­nen dazu, die wäss­ri­ge Lösung dick­flüs­si­ger zu machen, wofür manch­mal Gela­ti­ne zum Ein­satz kommt.
  • Und dann sind da noch die Farb­pig­men­te, um genau­er zu sein: Die schwar­ze Tin­te ist hier haupt­säch­lich das Sor­gen­kind. Oft wird sie von ver­brann­ten Tier­kno­chen gewon­nen. Und für Rot­pig­men­te kann Schel­lack benutzt wer­den, das aus zer­quetsch­ten Läu­sen gewon­nen wird.

Veganes Tattoo - Gemüse


Nicht nur Tin­te

Aber da ist noch mehr! Für das Ste­chen wer­den Rasie­rer, Matri­zen­fo­lie, Abzugs­flüs­sig­keit, Sei­fe, Vaseline/Melkfett und Pfle­ge­creme gebraucht.

  • Bei den Rasie­rern ist dar­auf zu ach­ten, Ein­weg­ra­sie­rer ohne Gel­strei­fen zu neh­men, da dort auch Gly­ce­rin ver­wen­det wird.
  • Die Folie, mit der man den Abdruck auf die Haut bringt, ent­hält Lano­lin, also Sekret aus den Talg­drü­sen von Scha­fen. Der ein­zi­ge Her­stel­ler die­ser Foli­en, reproFX, hat aber auch eine vega­ne Vari­an­te her­aus­ge­bracht.
  • Um ein Sten­cil auf die Haut zu über­tra­gen, gibt es spe­zi­el­le Flüs­sig­kei­ten. Ich benut­ze Sten­cil Stuff und das schon so lan­ge, dass ich gar nicht mehr weiss, was es sonst noch auf dem Markt gibt.
  • Wäh­rend des Täto­wie­rens wird die Wun­de immer wie­der mit einem Gemisch aus Sei­fe und ste­ri­lem Was­ser sau­ber gemacht. Vie­le Täto­wie­rer ver­wen­den «Green Soap», von der es mitt­ler­wei­le so vie­le Able­ger gibt, dass man nicht mehr sicher sein kann, dass sie vegan ist. Grund­sätz­lich ist bei allen Sei­fen auf das Gly­ce­rin zu ach­ten. Ich ver­wen­de eine Dr.Bronner Natur­sei­fe – scho­nend für die Kun­din oder den Kun­den und umwelt­ver­träg­lich.
  • Kom­men wir noch zur Crè­me, wel­che man wäh­rend dem Täto­wie­ren ver­wen­det, um die Haut geschmei­dig zu hal­ten und vom Farb­über­schuss zu rei­ni­gen. Wie ein­gangs erwähnt, wird übli­cher­wei­se Vase­li­ne und Melk­fett ver­wen­det. Lei­der ist es sehr schwie­rig, die tat­säch­li­chen Inhalts­stof­fe und deren Her­kunft her­aus­zu­fin­den. Vase­li­ne ist Petro­lat, also Petro­le­um-Gelee, ein Neben­pro­dukt der Ölin­dus­trie. Trotz­dem kann Vase­li­ne – je nach Her­stel­lungs­land – auch Tier­kno­chen ent­hal­ten. Und soweit ich weiss, tes­tet die Mut­ter­fir­ma Uni­le­ver an Tie­ren. Hier gibt es die Alter­na­ti­ven Shea But­ter oder Kokos­öl (wel­ches halt schnell schmilzt).

Was es nach dem Ste­chen zu beach­ten gibt

Wenn das Tat­too fer­tig und ein­ge­packt ist, geht es an die kor­rek­te Pfle­ge. Bei Crè­mes ist dar­auf zu ach­ten, dass weder Lano­lin noch Bie­nen­wachs ent­hal­ten ist und dass das Pro­dukt nicht an Tie­ren getes­tet wur­de. Seit Jah­ren emp­feh­le ich des­halb Tat­too­med, wel­ches auch in Apo­the­ken erhält­lich ist.

Nicht zu ver­ges­sen: das Des­in­fek­ti­ons­mit­tel! Da für mich per­sön­lich der Weg nicht bei vegan auf­hört, son­dern auch die Umwelt eine Rol­le spielt, habe ich mich sowohl für die Haut- als auch für die Flä­chen­des­in­fek­ti­on für Sonett ent­schie­den. Deren Pro­duk­te sind hoch­wirk­sam gegen Kei­me, Bak­te­ri­en, Viren und Pil­ze und dabei äus­serst ver­träg­lich. Opti­ma­le bio­lo­gi­sche Abbau­bar­keit, recy­c­le­ba­re Ver­pa­ckun­gen, Ver­wen­dung von bio­lo­gi­schen Roh­stof­fen und kei­ne Tier­ver­su­che sind nur eini­ge der Vor­tei­le gegen­über her­kömm­li­chen medi­zi­ni­schen Pro­duk­ten, die mir meist zu wenig trans­pa­rent sind.

Jedes Tat­too ist ein State­ment

Zum Abschluss möch­te ich noch auf das Wich­tigs­te ein­ge­hen, wenn man sich für ein Tat­too ent­schei­det: das Motiv selbst. Ich täto­wie­re nun schon seit ca. neun Jah­ren und habe mich stil­tech­nisch natür­lich in eine gewis­se Rich­tung ent­wi­ckelt, des­halb freue ich mich jeweils sehr, wenn Men­schen auf­grund mei­nes Stils zu mir kom­men. Noch mehr Freu­de berei­tet es mir, wenn ich ein vegan-moti­vier­tes Tat­too ste­chen darf, sei es ein spe­zi­el­ler Kun­den­wunsch oder eines mei­ner Wan­na-Dos auf mei­ner Home­page. Ein Tat­too ist so ein star­kes Zei­chen nach aus­sen – die Mes­sa­ge muss einem sehr wich­tig sein, dass man sie auf sei­nem Kör­per tra­gen möch­te. Das ist für mich eine Art von Akti­vis­mus.

Nicht nur unter der Haut aktiv

Sel­ber lege ich in mei­nem Ate­lier Info­ma­te­ri­al auf, es gibt ein Schwein­chen-Spen­den­käs­se­li, ich bin an Cha­ri­ty-Tat­too-Ver­an­stal­tun­gen und unter­hal­te mich ab und zu wäh­rend dem Täto­wie­ren mit der Kun­din oder dem Kun­den über Vega­nis­mus. Manch­mal gibt es bei mir auch vega­ne Lecke­rei­en zum Pro­bie­ren und gera­de bin ich mit der Pro­duk­ti­on von neu­em Mer­chan­di­se mit einer vega­nen Mes­sa­ge fer­tig gewor­den. All die­se Din­ge geben mir und mei­nem Beruf mehr Sinn. Auch für die Men­schen, die zu mir kom­men hat das nur Vor­tei­le: Egal ob man vegan lebt oder nicht, es ist doch schön, wenn man mit einem neu­en Tat­too nach Hau­se geht und weiss, dass dafür kein Tier lei­den muss­te.

Kim Ros­si­ni hat ihr eige­nes Ate­lier in Zürich. Sie freut sich dar­auf, noch vie­le wei­te­re vega­ne Messa­ges auf die Haut zu brin­gen und gibt bei Fra­gen zum vega­nen Täto­wie­ren ger­ne Aus­kunft.


Kommentare

2 Kommentare

  1. Kevin
    vor 4 Monaten

    Von wo habt ihr die Bil­der oder die Infos?

    Antworten
    1. Adrian (VGS)
      vor 4 Monaten

      Im Ein­lei­tungs­text steht es: Die Bil­der und der Text stam­men von der Täto­wie­re­rin Kim Ros­si­ni,
      🙂

      Antworten

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