Vegan in London

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London

Vier Tage in London? Was vor fünf Jahren noch fast ausreichend war, um sich einen Überblick des veganen Angebotes zu verschaffen, reicht heute nur ansatzweise und bedingt einen dehnbaren Magen. Hier ein kurzer Bericht. 

Vorauszuschicken ist, dass im Januar der Veganuary-Komet voll in London eingeschlagen hat.

Diese Aktion, welche alle dazu ermutigt, im Januar vegan zu probieren, hat sich als fixer Event im Kalender der Insel festgefahren. Fast keine Restaurant- oder Ladenkette gibt es, die nicht auf den Zug aufgesprungen ist. Sei es Mark’s & Spencers, Sainsbury’s, Tesco, die alle um oder auf den Veganuary neue, vegane Produktelinien in die Auslagen stellten. Sogar Pizza Hut hat eine gross angelegte Aktion «Cheat on Meat» und eine grossartige, mit saftigem Jackfruit und veganem Käse belegter deep-dish Pizza neu im Angebot. Die Bäckerei-Kette Greggs hat mit einer veganen Wurst-Wegge «Sausage-Roll» für mächtig Furore und Kontroversen gesorgt. Leider war diese deshalb bei unserem Scouting schon durchwegs als ausverkauft gemeldet. Ja, sogar eines der Happy-Meals von McDonalds sei vegan, wurde gemunkelt. Als letzten, süssen Hinweis bieten die vielen Crosstown Doughnuts gleich in der erste Reihe der Auslage die vegane Varianten an unter dem Motto «Every bit as delicious as our originals». So geht das mit dem Mainstreaming! London hat sich definitiv wieder an die Spitze der Vegan-Destinationen gemausert und auch die Anzahl Produkte im Supermarkt hat inzwischen Deutschland überholt.

Für Anreisende mit Eurostar via Brüssel ist übrigens das Green Way am Hauptbahnof in Brüssel zu empfehlen um sich vor dem Chunnel einen unglaublich leckeren Beyond-Burger zu genehmigen.

Ebenfalls erfreulich und empfehlenswert ist, dass bei einer Premier-Menu-Reservation im Eurostar problemlos ein veganes Menu bestellt werden kann. Es bleibt, wohl gemässigt, zu hoffen, dass auch nach dem Brexit die Land-Anreise nach London ähnlich unkompliziert bleibt.

Die Top-Empfehlungen vom Vegan-Scouting in London (& Brighton)

Als erstes wurde in London die vegane Pizzeria Purezza in Camden getestet.

Einfach toll in einem ganz veganen Restaurant drauf los bestellen zu können, sofern man sich frühzeitig einen Platz ergattern oder reservieren konnte. Der Teig kann in verschiedenen Varianten bestellt werden (Hanf, Glutenfrei, Sauerteig) und kommt, auch als Calzone, eher ungewohnt weich aber reich belegt mit heissem Käse, Vleisch, Trüffel und Co. aus dem Holzofen daher. Eine zweite Filiale gibt es schon in Brighton und hoffentlich bald viel mehr davon.

Im Vx London, wo – *pssst* – auch die Secret Society of Vegans hausen, kann man nicht nur eine freche Auswahl an Junk Food probieren, ausgesuchte Lebensmittel für Zuhause einkaufen oder ein Mug mit «What kind of arsehole eats a lamb?» oder eines der Kult-T-Shirts kaufen und dazu mit dem Gründer Rudy auch lange diskutieren über die Pros- & Cons des veganen Booms für die kleinen Läden. Dieses Kleinod unweit des Kings Cross gibt es schon seit 2010 und wird es wohl und hoffentlich noch lange geben.

Camden Market ist seit jeher ein kleines, veganes Paradies mit vielen Ständen, Shops und Stalls, die Veganes anbieten. Die Auswahl in diesem Ausmass, wie 2019 erlebt, ist jedoch neu. Gezielt angesteuert wurde der Dirty Vegan Diner.

Das dortige Reuben-Sandwich, eigentlich ein fleischlastiger Klassiker, setzte neue Massstäbe im vegan Sandwich-Bereich.

Die (Vorsicht!) heissen Mozzarella Sticks sind auch nicht zu verschmähen. Erst recht an einem kalten Januartag in London. Kingcookdaily hatte leider geschlossen, aber steht definitiv noch auf der to-do-Liste. Die «Young Vegans» mit ihren Pies sind momentan der «talk of the town». Die kleinen, herzhaften Wähen werden traditionsgerecht mit gravy & mash bestellt. Die Young Vegans zeigen damit auf grandiose Art, wie vor keiner unveganer Tradition Halt gemacht werden muss. 

Temple of Seitan – diese heilige Institution hat glücklicherweise schon einige Ablegerinnen bekommen in den letzten Monaten. Einen davon im neu aufgezogenen Viertel bei Kings Cross.

Direkt am Wasser liegend, mit keiner Konkurrenz weit und breit, bieten sie ihre Fried-chicken-Burger, -Wings und -Combos einer gierigen veganen und nicht-veganen Masse an, welche das leckere Fast Food mit Cole Slaw, Mac’n’Cheese und Hot-Sauce verschlingt. Überhaupt is Mac’n’Cheese momentan «the shit» in London und fast jeder bietet einen solchen in einer heissen, dampfenden, veganen Variante an. 

Der Unity Diner von Earthling Ed mit dem Motto «Eat, drink, make a difference» ist sehr sympathisch, auch da gemäss eigenen Angaben der ganze Gewinn dem Kampf für die Tiere zuteil wird. 

Die Bedienung war nicht ganz so top wie das vorzügliche Essen, aber durchaus nett und aufmerksam. Gäste ohne Reservation mussten eine längere Zeit mit Anstehen verbringen. Das Neon Schild «The future is vegan» welches hell und gross leuchtet im Restaurant gibt den Tarif durch wo man sich hin orientiert. Das Essen bietet Klassiker, Rohes und auch Neues in hoher Qualität und zieht Vegane und nicht-Vegane scheinbar gleichermassen an.

Das Blacksmith&Toffeemaker Pub hat hingegen weniger überzeugt. Die Burger kommen trotz Wasabi-Mayonnaise & Co. leider wenig innovativ daher. An das eher weiche Burger-Brot muss man sich in England sowieso erst etwas gewöhnen. 

Eher enttäuschende Burgers im Pub «Blacksmith & The Toffeemaker»

Das 222 ist zwar etwas ausserhalb des Zentrums in West Kensington, aber immer die Tubefahrt wert. Mittags können die kreativen Kochkünste des Wirtes Ben noch etwas diverser gekostet und am Buffet à discrètion genossen werden als abends à la Cartem, wo man sich für ein Menu entscheiden muss. Tipp: Unbedingt Platz für eines der Desserts lassen! 

Der Beyond-Burger, welchen es zwar gefroren in einigen Tesco Filialen zu kaufen gibt, musste aber auch hier in England unbedingt probiert werden. Als Mahlzeit angeboten wird er unter anderem als Neuheit in den Restaurants der nicht-veganen Honest Kette. Das Erlebnis ist wirklich einmalig und erinnert schmerzlich daran, dass die Vegan-Burger zwar oft gut aber eben nicht der «real-deal» sind. Nun gibt es diesen Deal und erst noch ohne Tierleid und bald hoffentlich im Mainstream.

Ein Tages-Abstecher nach Brighton wird dem Vegan-Hungrigen zwar nicht gerecht, aber wenn man es mit einem Besuch im seit Jahren unveränderten Flagship Store von Vegetarian Shoes verbindet, allemal die 80 minütige Zugreise wert.

Das vegane Angebot, welches schon vor 15 Jahren einmalig war, ist inzwischen regelrecht explodiert. Von Sushi Burittos im Happy Maki, Döner im What the Pitta oder das beste English breakfast im Wai Kika Moo Kau.

English breakfast im Wai Kika Moo Kau in Brighton

Die alten Klassiker Terre a Terre oder Food for Friends, sowie den Dutzenden von anderen Angeboten kann man sich eigentlich erst nach ein paar Tagen Ferien an der Küste genügend widmen. Ein Besuch in der Eden Parfümerie ist auch zu empfehlen. Dort werden Kopien aller gängigen Parfüms in veganer Variante nachgemacht angeboten und sogleich als ideales Mitbringsel abgefüllt. 

Eine Reise nach London lohnt sich inzwischen mehr als je zuvor. Das Thema ist momentan, nicht zuletzt dank dem Veganuary, auf der Insel onminpräsent. Neben etlichen Schildern an den Restaurants, die vegane Menus und Specials anpreisen, laufen auch das Fernsehen und die sozialen Medien zum Thema heiss. Siehe zB Veganism has gone Mainstream auf Channel 4 News.

Übrigens kann der Rückweg per Zug bald auch über Amsterdam erfolgen. Die Niederländische Touristenstadt hat rasant aufgeholt und gehört inzwischen auch zu einer der Top-Destinationen für vegan travellers. Zu erwähnen sind die Vegan Junk Food Bars, der grossartige Döner im Kebabi, ein köstlicher Weed Burger oder das Meatless District.

Kommentare

3 Kommentare

  • Warum wird hier ein veganes Junkfood nach dem nächsten erwähnt? Gibt es keine Alternativen zum Burger, Pizza und Sandwich oder Döner? Ist das English Breakfast mit Pommes etwas besonderes? Ich ernähre mich, aus Gesundheitsgründen, seit 25 Jahren fast vegan, nach 5 Elementen und freue mich, dass immer mehr Menschen die Vegane Ernährung schätzen. Getreide- oder Seitanbratlinge mache ich selbst. Aber warum immer diese Imitate von Junkfood erstrebenswert sind, bleibt mir ein Rätsel? Im Winter esse ich regionale, der Jahreszeit entsprechende, Bio-Gemüse. In London gibt es in jedem Whole Foods gutes veganes Essen. Bitte mehr Vielfalt als Einfalt

    Antworten
    • Liebe Bettina

      Fleischalternativen haben einen Bärendienst erwiesen an der Popularität der veganen Lebensweise. Und tun es immer noch.
      Das kommt daher, dass Menschen gerne essen, was sie gewohnt sind.
      Wenn Menschen ihre gewohnten Nahrungsmittel, einfach ohne Tierleid, bekommen können, dann senkt das die Hürde, weniger oder gar kein Fleisch mehr zu essen, drastisch.
      Und darum geht es doch, oder? Darum, die beste Bilanz zu erreichen für Tiere, Umwelt und Gesundheit.
      😊❤

      Antworten

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