Schweizer Chocolatiers künden vegane Milchschoggi an

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Lindt lanciert als erster grosser Schoggiproduzent vegane Milchschokolade. Was haben die anderen Schweizer Produzenten vor? Wir haben uns durchgefragt.

 

Zu Beginn war jede Schokolade vegan

Obwohl die Früchte des Kakaobaums schon seit Jahrtausenden für Getränke genutzt wurden, hat man erst im 19. Jahrhundert begonnen, Schokoladentafeln herzustellen. In der Schweiz wurde die erste Schokoladenfabrik (Cailler) 1819 gegründet. Viele Produzenten, die auch heute noch zu den absatzstärksten zählen, folgten in den kommenden Jahrzehnten. Tafelschokolade bestand damals aber lediglich aus Kakao, Zucker und ev. Nüssen. Die erste Schweizer Schokolade mit Milch (damals Kondensmilch) brachte Cailler erst 56 Jahre später auf den Markt und startete damit ein ziemlich erfolgreiches Kapitel.

 

Werbung für «Gala Peter» aus dem Jahr 1905: Daniel Peter heiratete 1863 Fanny-Louise Cailler, die älteste Tochter des Schokoladenunternehmers François-Louis Cailler. So kam er zur Schokolade, die er als erster hierzulande mit Milchbestandteilen produzierte.

 

Denn nun, 145 Jahre später, ist die Milchschokolade mit Abstand die beliebteste. Rund 70% des gesamten Schokoladenkonsums entfällt auf Milchschokolade, ca. 25% auf dunkle und 5% auf weisse Schokolade. Bei einem Pro-Kopf-Konsum von 10,4 kg Schokolade (Platz 2 in Europa!) entspricht das rund 7 kg Milchschokolade. Angesichts der rasant wachsenden Anzahl vegan lebender Personen ist das Marktpotenzial also riesig. Lindt hat als erste grosse Schweizer Marke reagiert und bringt ab November 2020 eine Linie mit veganer Milchschokolade auf den deutschen Markt. Wann sie in der Schweiz erhältlich ist, erfahrt ihr am schnellsten, wenn ihr uns auf Social Media folgt. Auf unserer Facebook-Seite und unserem Instagram-Kanal geben wir jeweils alle Neuigkeiten weiter.

 

Wie wird die Schoggi hell, wenn nicht mit Kuhmilch?

Schokolade ist vegan, wenn sie keine zusätzlichen Milchbestandteile enthält. In der Regel handelt es sich um Milchpulver. Das ersetzt Lindt mit Hafermilchpulver. «Ich bin schon sehr gespannt, wie diese Schokolade schmeckt», sagt Sara Thallner, Mediensprecherin von Lindt Schweiz. Ausgetüftelt wurde die Schokolade nämlich in der deutschen Fabrik, die unabhängig der Schweizer Lindtfabrik agiert. Das sei schon mutig von Lindt, denn dabei handle es sich um die erste vegane Milchschoggi. «Und wir haben ja diesen charakteristischen Schmelz», so Thallner. Tatsächlich war es die heutige Lindt-Fabrik, die 1879 das Verfahren entwickelte, womit die Schokolade nicht mehr sandig-brüchig sondern cremig daherkommt und auf der Zunge schmilzt. Doch längst arbeiten alle Schokoladenproduzenten mit der sogenannten Conchiermaschine. Wieso hat also bisher noch niemand vegane Milchschokolade entwickelt?  

Drei vegane Tafeln der «Hello»-Schokoladenlinie von Lindt werden ab Herbst 2020 auf dem deutschen Markt kommen.

 

Eine einzige Schweizer Firma stellt seit 2015 vegane Milchschokolade her: Chocolat Schönenberger. «Vegan ist aus Marktsicht sowie auch für uns bereits seit einiger Zeit ein grosses Thema und ein immer stärker werdender Trend», heisst es vom Luzerner Hersteller. Die Schokolade wird bei ihnen mittels getrocknetem Reisglukosesirup hell. Vertrieben werden die Produkte vor allem über Bioläden. Auch für Maestrani (Munz, Minor und Schokoladentafeln) ist vegane Schokolade schon länger ein Thema. So stellten sie einmal eine weisse vegane Tafel mit Matchapulver her: «Diese Schokolade mussten wir aber aufgrund geringem Interesse und vermutlich auch wegen der etwas speziellen Rezeptur wieder aus dem Sortiment nehmen.» Nun sind nur noch die dunklen Schokoladenprodukte von Maestrani vegan.

 

Das Potenzial noch nicht erkannt

Camille Bloch (Ragusa und Torino) führt aktuell keine vegane Milchschoggi-Produkte im Sortiment. Sie seien mit 200 Angestellten eine zu kleine Firma: «Auch wenn es technisch möglich wäre, können wir Ragusa nicht für so einen kleinen Markt zusätzlich vegan produzieren.» Und bei den Torino-Stängeli gäbe es ja bereits eine dunkle, vegane Variante. Keine Auskunft über vegane Pläne gab uns Toblerone. Und Cailler, die mit der ersten Schoggifabrik in der Schweiz bereits am längsten im Geschäft sind, sehen keinen Handlungsbedarf: «Weil Milch Teil der DNA unserer ikonischen Marke Cailler ist, stand die Herstellung von veganer Cailler Milchschokolade in unserer Fabrik in Broc bisher nicht zur Diskussion.»

 

Die Konkurrenz ist bereits dran

Läderach schreibt: «Wir sehen Potenzial für vegane Schokolade und überlegen uns, in diese Richtung weiterzudenken.» Auch Maestrani (erhältlich im Coop) und Chocolat Frey (erhältlich in der Migros) teilten uns mit, dass sie Innovationen auf Basis veganer Milch-Alternativen prüfen beziehungsweise bereits Produktentwicklungen laufen. So dürfen wir uns also nebst veganer Lindt-Schoggi auch auf andere spannende Produkte freuen, welche der breiten Masse zugänglich sein werden. Vegane helle Schoggi, yes please! Damit auch Veganer*innen auf ihre 7 kg Milchschokolade kommen.

 

Was ist deine Lieblingsschokolade und was sollte endlich einmal vegan hergestellt werden? Schreibe es uns in die Kommentare!

Kommentare

14 Antworten

    1. Hoi David!

      Sowohl Ragusa als auch Torino sind von Camille Bloch. Du meinst wahrscheinlich das vegane Torino Noir, oder? Die haben das Label und schmecken super! Allerdings handelt es sich dabei um dunkle Schokolade. Vom Ragusa, also dem Milchschokolade-Riegel mit Haselnüssen, ist zurzeit keine vegane Version geplant.

      Herzliche Grüsse
      Anja

  1. Ich stelle mit meiner Firma Schoccolatta hier in Kanada schon seit über einem Jahr eine vegane Milchschokolade her, und neu auch eine vegane weisse. Der Bedarf ist absolut klar da, und ich bin gespannt, wie die Lindt Schokolade schmecken wird.

  2. Es wäre schön, wenn auch vegane Torten und Cakes z.B. im Coop oder Migros angeboten würden. Denn auch nichtvegan ernährende Personen mögen ab jnd zu sich veganes. Das ist rinfach so. Nicht nur an die feine Schoggi denken; auch deren Produkte, welche daraus gemacht werden. Hmmmmmm…….
    Und die wunderbaren Schoggiglückskäfer (wenn diese vegan wären) oder die einzeln verpackten Schoggi-Täfeli (wenn diese vegan wären – hier ist auch zu bedenkrn, dass vegan ernährende Touristen auch in due Schweiz kommen….) mit den schönen Schweizerbergen darauf (Verpackung). Und es gibt noch vieles mehr….

    1. Liebe Celia

      Oh ja, die Glückskäfer! Und die kleinen Schöggeli, die es zum Kaffee gibt… auf die warten wir auch noch.
      Kuchen gibt es übrigens in der Migros – die haben seit Herbst 2019 zwei verschiedene Raw Cakes sowie gebackene Kuchenstücke.

      Viel Spass beim Entdecken!
      Herzliche Grüsse
      Anja

  3. von rapunzel die nirwana noir, die „dunkle“, ist für mich so gut wie milchschoggi, sehr cremig. sie heisst zwar zartbitter, bekommt aber durch die pralinefüllung etwas helleres und der kakaoanteil beträgt nur 55%. die helle nirwana, die „milchschoggi“, ist sogar mir zu süss. ein wichtiger aspekt ist die faire und biologische herstellung. recht gut ist auch die bio-noisette von migros, die nussstückchen sind so klein, dass ich sie als milchschoggi ansehe.

  4. Hallo
    Esse wenig Schokolade ,Kuchen usw …. wenn dann die von I- Choc.
    Es freut mich aber, daß all diese Firmen endlich auf Vegane Produkte umsteigen .
    Da ich früher sehr gerne die ˋ Chässtängeli ˋ gegessen habe : hier müßte das doch auch mit Alternativen Veganem Blätterteig / Kväse möglich sein .

    Kuuuhle Grüße
    Biene

  5. Die beste Scchokolade für mich sind die von Veganz. Se haben ein sehr umfangreiches Sortiment und sind per se vegan, d.h. aus Überzeugung und ethischen Gründen und nicht nur aus Profit.

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