Pflanzenbasiert fit – Interview mit einem veganen Personal Coach

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Spätestens mit The Game Changers begann das Vorurteil, sportliche Spitzenleistungen seien nur mit Tierprodukten möglich, in der breiten Masse zu bröckeln. Für unsere Gastbloggerin Caro hat eine vegane Fitnesstrainerin ihr Nähkästchen geöffnet: Wie viel Protein brauchen Sportler*innen und was sind die Nachteile einer veganen Ernährung?

Nadja Spring ist diplomierte Fitnesstrainerin (SAFS und holistische Gesundheits- und Ernährungsberaterin (AKN). Sie lebt mit drei Schweinen zusammen und bringt in ihrem Studio in Ottenbach ZH Fitnesswillige zum Schwitzen.

 

Eine durchtrainierte Personal Trainerin ganz ohne Poulet, hartgekochte Eier und Magerquark? Das geht doch gar nicht! Wurdest du mit diesem oder ähnlichen Vorurteilen bereits konfrontiert?

Um ehrlich zu sein, hatte ich damals selber Bedenken, ob es klappen würde. Meine Umstellung auf vegan war aber Folge eines augenöffnenden und traumatisierenden Erlebnisses. Deshalb waren mir meine Muskeln in dem Moment erstmal egal. Ich wollte einfach das Tierleid nicht mehr unterstützen. Zum Glück merkte ich schnell, dass eine mitfühlende Ernährungsweise und Muskelaufbau absolut vereinbar sind.

Andere Personen haben sich, glaube ich, nicht getraut, mich direkt mit Vorurteilen zu konfrontieren, doch die kritischen Blicke habe ich anfangs schon wahrgenommen. Da konnte ich aber drüberstehen, da man meinem Bizeps ja ansieht, dass Muskelaufbau auch vegan funktioniert.

Was beinhaltet dein Angebot und richtet sich dieses ausschliesslich an Veganer*innen?

Ich biete Personal Training mit Fokus auf Krafttraining an. Dieses kann in meinem Studio in Ottenbach oder outdoor stattfinden. Ausserdem biete ich Gesundheits- und Ernährungsberatung an. Mein Angebot richtet sich an alle – natürlich hoffe ich, dass ich noch mehr Nicht-Veganer*innen für eine pflanzenbasierte Ernährung begeistern kann.

 

Sind denn schon Kunden durch dich zur veganen Lebensweise gekommen? 

Ja, aber ich denke, bei diesen war schon eine gewisse Offenheit für das Thema vegan vorhanden, sonst wären sie vielleicht gar nicht zu mir gekommen. Für mich ist trotzdem jeder Kunde, der sich für den Umstieg entscheidet, ein kleines Highlight. Ganz besonders freue ich mich jeweils, wenn ich nach erfolgter Umstellung das Feedback bekomme, dass es ihr oder ihm seitdem viel besser geht.

 

Wie gehst du damit um, wenn deine Kund*innen beim gemeinsamen Erstellen des Ernährungsplans auf Tierprodukte bestehen?

Mittlerweile ziemlich cool, aber das musste ich auch lernen. Ich rate jedem dazu, den Konsum von Tierprodukten stark zu minimieren, allein schon aus gesundheitlichen Aspekten. Als Dienstleisterin muss ich aber grundsätzlich die Wünsche der Kund*innen respektieren. Jede*r erhält von mir aber im Rahmen der Ernährungsberatung meine persönliche vegane Rezeptesammlung, um sich davon inspirieren zu lassen.

 

Was empfiehlst du deinen Kunden, die auf vegan umstellen möchten? 

In erster Linie, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Essgewohnheiten, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind, lassen sich in den meisten Fällen nicht problemlos von heute auf morgen ändern. Es ist daher absolut in Ordnung, sich die Zeit zu nehmen, die man persönlich benötigt.

 

Woran scheitert denn die Umstellung bei den meisten?

Beim Festhalten an alten Gewohnheiten. Viele versuchen anfangs alles 1:1 zu ersetzen. Enttäuschungen sind somit teilweise vorprogrammiert und es entsteht der Eindruck, es wäre schwierig, sich vegan zu ernähren.

Ich rate grundsätzlich dazu, anstatt die alten Geschmäcker ersetzen zu wollen, sich lieber auf Entdeckungsreise nach neuen zu machen. Schliesslich gibt es unglaublich viele Lebensmittel, die von Natur aus vegan, fein und gesund sind.

Eine grosse Hürde kann auch die Ganz-oder-Gar-nicht-Mentalität darstellen: Gerade anfangs kann es ja vorkommen, dass man etwa auswärts oder bei Familienfeiern doch etwas nicht Veganes isst, um keine Umstände zu machen – manche gewichten diese kleinen Rückschläge zu hoch und geben deswegen vorschnell auf. Dabei verlieren sie die grossen Erfolge, etwa dass sie sich im Alltag ansonsten mühelos pflanzlich ernähren, aus den Augen. Meiner Meinung nach ist es besser, sich gelegentliche Ausnahmen zu verzeihen, dafür aber grundsätzlich weiter auf dem veganen Weg zu bleiben.

 

Macht es beim Muskelaufbau einen Unterschied, ob das Protein vom Tier oder aus Pflanzen stammt? 

Wichtig ist, dass man alle essentiellen Aminosäuren zu sich nimmt. Das ist bei einer ausgewogenen veganen Ernährung kein Problem. Was viele nicht wissen, ist, dass nicht in jeder Mahlzeit alle Aminosäuren kombiniert werden müssen. Der Körper kann diese für eine gewisse Zeit speichern. Als Proteinquellen benutze ich nebst Tofu auch alle anderen Arten von Hülsenfrüchten, also Bohnen, Erbsen, Linsen, sowie Nüsse, Samen, Kerne. Ein tolles lokales Lebensmittel finde ich Lupine, da es proteinreich und basisch ist.

Aus eigener Erfahrung bin ich der Meinung, dass man weniger Protein benötigt als in den meisten offiziellen Quellen angegeben wird. Ich empfehle zwischen 1,2 und 1,5 Gramm täglich pro Kilo Körpergewicht für eine*n Kraftsportler*in.

Mindestens genauso wichtig wie die Zufuhr der Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine, Fette) ist es, in ausreichender Menge Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente usw.) zu sich zu nehmen. Deshalb ist es bei jeder Ernährungsform wichtig, frische, möglichst unverarbeitete und abwechslungsreiche Lebensmittel zu verwenden, vor allem viel Obst und Gemüse.

 

Gibt es einen Nachteil bei der veganen Sporternährung? 

Den grössten Nachteil haben wahrscheinlich Leute, die nicht gern selber kochen und in einer Gegend mit konventionellen Restaurants leben. Je nach Wohnort ist es als Veganer*in schwierig, sich auswärts gesund, schmackhaft und einfallsreich zu ernähren. Aber das trifft beim Auswärtsessen ebenso für Nicht-Veganer*in zu.

 

Und welches ist der grösste Vorteil?

Den grössten Vorteil sehe ich in der schnelleren Regeneration nach sportlicher Belastung. Das kommt daher, dass man viel mehr Vitalstoffe zu sich nimmt, natürlich vorausgesetzt, es ist eine gesunde vegane Ernährung.

 

Zum Schluss: Verrätst du uns deine liebste Fitnessübung und dein Lieblingstier?

Meine Lieblingsübung ist Kreuzheben (Deadlifts), weil sie Beine, Po und Rücken trainiert. Diese Übung vermittelt einem ein tolles Körpergefühl und stärkt einen für den Alltag. So kann man auch schwere Einkaufstüten verletzungsfrei tragen.

Meine Lieblingstiere sind Schweine, weil sie unglaublich klug und sehr verschmust sin

Nadja mit einem ihrer drei rüsseligen Mitbewohner

Nadja träumt davon, eines Tages einen Lebenshof für Tiere und ein eigenes Restaurant mit gesundem, feinem und nachhaltigem Essen zu eröffnen.

 

Das Interview wurde von unserer Gastbloggerin Caro bloggt geführt, die ihr auch auf ihrem Blog extraveganzen.com findet. Neben Joggen, Skaten und Velofahren, liebt sie es, sich mit Krafttraining fit zu halten.

Kommentare

Eine Antwort

  1. Liebe Nadja, ich freue mich total über deine Lebensweise! Selber bin ich als Vegetarierin auf dem Weg zur Veganerin. Freue mich, nach der Pensionierung meines Partners, viele vegane Gerichte auszuprobieren. Lebe auch mit einigen vierbeinigen und kriechenden Persönlichkeiten zusammen.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und grüsse herzlich, sonya, am Zugersee

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