skip to Main Content

“Fleisch ist ein Stück Lebenskraft”, “Milch gibt starke Knochen”, “Schweizer Fleisch – alles andere ist Beilage”; diese Werbeslogans dürften den meisten geläufig sein. Doch sind tierliche Produkte wirklich so gesund und unverzichtbar wie viele glauben?

Obwohl eine gesunde Ernährung für unser Wohlergehen zentral ist, ist sie heute an den Schulen leider höchstens ein untergeordnetes Thema. Sogar Ärzte und Ärztinnen beschäftigen sich während ihrer Ausbildung nur am Rande damit. Es ist deshalb wenig erstaunlich, dass die meisten Menschen

ihr Wissen über Ernährung nicht aus wissenschaftlichen Quellen sondern aus Traditionen, Gewohnheiten und der Werbung gewinnen. Die vorhandene Literatur jedoch zeigt deutlich: Tierliche Produkte sind weder lebensnotwendig noch gesundheitsfördernd. Im Gegenteil, laut immer mehr Studien gehen vom übermässigen Konsum tierlicher Produkte verschiedenste gesundheitliche Risiken aus.

Die Academy of Nutrition and Dietetics die weltweit grösste Organisation von ErnährungsexpertInnen, schreibt in ihrem Positionspapier zu vegetarischen Ernährungsformen:

“Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschliesslich Schwangerschaft, Stillzeit, früher und späterer Kindheit und Adoleszenz. Vegetarische Ernährungsformen bieten ernährungswissenschaftlich eine Reihe von Vorteilen. Hierzu zählen niedrigere Werte an gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und tierlichem Eiweiß sowie ein höherer Gehalt an Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Magnesium, Kalium, Folat, Antioxidanzien wie die Vitamine C und E sowie Phytochemikalien. Berichten zufolge weisen Vegetarier niedrigere Körpermasseindices auf als Nichtvegetarier, ebenso ist die Todesrate für ischämische Herzerkrankungen geringer. Vegetarier haben darüber hinaus niedrigere Cholesterin-Blutwerte, einen niedrigeren Blutdruck, leiden seltener an Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 sowie Prostata- und Darmkrebs.”{{1}}

Es zeigt sich nicht nur, dass eine vegane Ernährung für alle Menschen geeignet ist, sondern auch, dass tierliche Produkte das Risiko für die meisten sogenannten Zivilisationskrankheiten deutlich steigern. An dieser Stelle seien drei Beispiele genannt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in der Schweiz, über 36% der Menschen sterben daran.{{3}} Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören unter anderem Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, welche eine Erkrankung begünstigen: Cholesterinspiegel, Blutdruck, Rauchen, physische Aktivität und Übergewicht. Ein erhöhter Cholesterinspiegel und Bluthochdruck sind dabei die grössten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beides wird erwiesenermassen durch den Verzehr von Fleisch gefördert.[4-11]

Ausschnitt-481211_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de_

Mehrere Studien mit insgesamt über 76’000 untersuchten Personen ergaben, dass übermässiger Fleischkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich steigert.{{12}} Die Todesraten sind dabei auch für Männer und Frauen, die nur Fisch oder weniger als einmal pro Woche Fleisch essen, erhöht. Dagegen erkranken männliche Veganer deutlich seltener an Herz-Kreislauf-Störungen als Vegetarier, wie eine Untersuchung nachweisen konnte.{{13}} Von einer pflanzenbasierten Ernährung profitieren auch bereits erkrankte Personen: Ihre Überlebenschancen erhöhen sich und sowohl die Verstopfung der Arterien als auch der Bluthochdruck können teilweise rückgängig gemacht werden.[2,10]

Diabetes

Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist ein Sammelbegriff für Stoffwechselstörungen, welche sich durch eine Überzuckerung des Blutes auszeichnen. Alleine in der Schweiz leiden etwa 350’000 Personen an Diabetes.{{14}} Die Zahl an Erkrankungen wächst dabei massiv, man spricht auch von der Epidemie des 21. Jahrhunderts. Schätzungen zufolge werden bis im Jahr 2030 weltweit fast 500 Millionen Menschen erkrankt sein.{{15}} Besonders die Zunahme bei jungen Menschen ist besorgniserregend. DiabetikerInnen sind nicht nur gezwungen, Insulin und andere Medikamente zu sich zu nehmen, sondern leiden oft auch an schwerwiegenden Komplikationen wie Herz-Krankheiten, Gehirnschlag, Bluthochdruck oder Erblindung.

Während Diabetes Typ 1 genetisch bedingt ist, hängt die Erkrankung an Typ 2, an welchem 90-95% der DiabetikerInnen leiden, stark vom Lebensstil ab. Diverse Studien zeigen, dass eine vegane Ernährung das Risiko dafür deutlich senkt. So erkranken sich vegan ernährende Menschen etwa halb so häufig an Diabetes Typ 2 wie Fleisch konsumierende Personen.{{16}} Eine Untersuchung ergab, dass sogar Menschen, die nur Fisch oder sehr selten Fleisch essen, gegenüber Vegetariern ein erhöhtes Diabetesrisiko haben.[8] Und auch die Milch steht in der Kritik: Obwohl viele glauben, dass Kuhmilch für Menschenkinder gut sei, gibt es Hinweise darauf, dass mit ihrem Konsum im Kindes- und Jugendalter das Diabetesrisiko wächst.{{17}} Eine Umstellung auf eine pflanzenbasierte Diät kann sogar den Insulinbedarf bereits erkrankter Personen senken.{{18}}

Ausschnitt-473234_R_K_by_Michael-Horn_pixelio.de_1

Krebs

Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs die häufigste Todesursache in der Schweiz. Über ein Viertel aller Menschen hierzulande sterben an Krebskrankheiten.[3] Die häufigsten Arten in der Schweiz sind Darmkrebs, Brustkrebs (Frauen) und Prostatakrebs (Männer).{{19}}

Das Risiko, daran zu erkranken, kann durch die Ernährung beeinflusst werden. Es hat sich gezeigt, dass sowohl Fleisch als auch Milchprodukte die Gefahr einer Erkrankung erhöhen können. Tierliches Eisen, sogenanntes Häm-Eisen, kann besonders gut aufgenommen werden, es führt aber ebenso zur Bildung zytotoxischer (giftiger) Faktoren im Darm.[20,21]

Das ist einer von diversen Faktoren, die dazu führen, dass Fleisch essende Personen ein fast 10 Mal höheres Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken, und zwar unabhängig von der Art des Fleisches.[8,22] Brust- und Prostatakrebsrisiko können ebenfalls stark gesteigert sein beim Verzehr von Fleisch.[8,23-25] Auch der Konsum von Milchprodukten scheint nicht unbedenklich zu sein: Es wurde ein grösseres Risiko für Prostatakrebs gefunden, und bei einer Untersuchung von Kindern, welche Milchprodukte zu sich nahmen, war später die Darmkrebsrate fast 3 Mal höher.[26-28]

496742_R_K_by_siepmannH_pixelio.de_

Und die Alternative?

Auch das Risiko für andere Krankheiten wird mit dem Konsum von tierlichen Produkten in Verbindung gebracht, so etwa Fettleibigkeit,[8,29,30] Arthrose,[31-33] Osteoporose[34-37] oder Parkinson.{{38}} Wer vegan lebt, kann nicht nur Tieren und Umwelt etwas Gutes tun, sondern auch gesünder leben und das Risiko für viele der sogenannten Zivilisationskrankheiten deutlich senken.

Welche Grundregeln es für eine gesunde Ernährung bzw. ein gesundes Leben zu beachten gilt, zeigen wir im Leitfaden „Gesund leben“.


[[1]]Position of the American Dietetic Association and Dietitians of Canada: Vegetarian diets. J Am Diet Assoc 2003; 103(6): S. 748-765 [[1]]
[[3]]http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/14/02/04/key/01.html [[3]]
[[4]] Messina M.J. and Messina V.L. The Dietitian’s Guide to Vegetarian Diets: Issues and Applications. Gaithersburg, MD: Aspen Publishers. 1996 [[4]]
[[5]] Five-year findings of the hypertension detection and follow-up program. I. Reduction in mortality of persons with high blood pressure, including mild hypertension. Hypertension Detection and Follow-up Program Cooperative Group. Jama 1979; 242(23): S. 2562-2571 [[5]]
[[6]] Ophir O., Peer G., Gilad J. et al. Low blood pressure in vegetarians: the possible role of potassium. Am J Clin Nutr 1983; 37(5): S. 755-762 [[6]]
[[7]] Melby C., Hyner G. and Zoog B. Blood pressure in vegetarians and non-vegetarians: a cross-sectional analysis. Nutr Res 1985; 5: S. 1077-1082 [[7]]
[[8]] Fraser G.E. Associations between diet and cancer, ischemic heart disease, and all-cause mortality in non-Hispanic white California Seventh-day Adventists. Am J Clin Nutr 1999; 70(3 Suppl): S. 532S-538S [[8]]
[[9]] Sciarrone S.E., Strahan M.T., Beilin L.J. et al. Biochemical and neurohormonal responses to the introduction of a lacto-ovovegetarian diet. J Hypertens 1993; 11(8): S. 849-860 [[9]]
[[10]] Rouse I.L., Beilin L.J., Mahoney D.P. et al. Nutrient intake, blood pressure, serum and urinary prostaglandins and serum thromboxane B2 in a controlled trial with a lacto-ovo-vegetarian diet. J Hypertens 1986; 4(2): S. 241-250 [[10]]
[[11]] Melby C.L., Goldflies D.G., Hyner G.C. et al. Relation between vegetarian/nonvegetarian diets and blood pressure in black and white adults. Am J Public Health 1989; 79(9): S. 1283-1288 [[11]]
[[12]] Key T.J., Fraser G.E., Thorogood M. et al. Mortality in vegetarians and nonvegetarians: detailed findings from a collaborative analysis of 5 prospective studies. Am J Clin Nutr 1999; 70(3 Suppl): S. 516S-524S [[12]]
[[13]] Phillips R.L., Lemon F.R., Beeson W.L. et al. Coronary heart disease mortality among Seventh-Day Adventists with differing dietary habits: a preliminary report. Am J Clin Nutr 1978; 31(10 Suppl): S. S191-S198 [[13]]
[[14]] http://www.diabetesgesellschaft.ch/de/diabetes-info [[14]]
[[15]] http://www.idf.org [[15]]
[[16]] Barnard N.D., Katcher H.I., Jenkins D.J. et al. Vegetarian and vegan diets in type 2 diabetes management. Nutr Rev 2009; 67(5): S. 255-263 [[16]]
[[17]] Virtanen S.M., Saukkonen T., Savilahti E. et al. Diet, cow’s milk protein antibodies and the risk of IDDM in Finnish children. Childhood Diabetes in Finland Study Group. Diabetologia 1994; 37(4): S. 381-387 [[17]]
[[18]] Anderson J.W., Chen W.J. and Sieling B. Hypolipidemic effects of high-carbohydrate, high-fiber diets. Metabolism 1980; 29(6): S. 551-558 [[18]]
[[19]] http://assets.krebsliga.ch/downloads/krebszahlen_11_2009_d.pdf [[19]]
[[20]] Sesink A.L., Termont D.S., Kleibeuker J.H. et al. Red meat and colon cancer: the cytotoxic and hyperproliferative effects of dietary heme. Cancer Res 1999; 59(22): S. 5704-5709 [[20]]
[[21]] Sesink A.L., Termont D.S., Kleibeuker J.H. et al. Red meat and colon cancer: dietary haem, but not fat, has cytotoxic and hyperproliferative effects on rat colonic epithelium. Carcinogenesis 2000; 21(10): S. 1909-1915 [[21]]
[[22]] Lipkin M., Uehara K., Winawer S. et al. Seventh-Day Adventist vegetarians have a quiescent proliferative activity in colonic mucosa. Cancer Lett 1985; 26(2): S. 139-144 [[22]]
[[23]] Barbosa J.C., Shultz T.D., Filley S.J. et al. The relationship among adiposity, diet, and hormone concentrations in vegetarian and nonvegetarian postmenopausal women. Am J Clin Nutr 1990; 51(5): S. 798-803 [[23]]
[[24]] Sanchez A., Kissinger D.G. and Phillips R.I. A hypothesis on the etiological role of diet on age of menarche. Med Hypotheses 1981; 7(11): S. 1339-1345 [[24]]
[[25]] Kissinger D.G. and Sanchez A. The association of dietary factors with the age of menarche. Nutr Res 1987; 7: S. 471-479 [[25]]
[[26]] Chan J.M., Giovannucci E., Andersson S.O. et al. Dairy products, calcium, phosphorous, vitamin D, and risk of prostate cancer (Sweden). Cancer Causes Control 1998; 9(6): S. 559-566 [[26]]
[[27]] Chan J.M., Stampfer M.J., Ma J. et al. Dairy products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians’ Health Study. Am J Clin Nutr 2001; 74(4): S. 549-554 [[27]]
[[28]] van der Pols J.C., Bain C., Gunnell D. et al. Childhood dairy intake and adult cancer risk: 65-y follow-up of the Boyd Orr cohort. Am J Clin Nutr 2007; 86(6): S. 1722-1729 [[28]]
[[29]] Appleby P.N., Thorogood M., Mann J.I. et al. The Oxford Vegetarian Study: an overview. Am J Clin Nutr 1999; 70(3 Suppl): S. 525S-531S [[29]]
[[30]] Key T. and Davey G. Prevalence of obesity is low in people who do not eat meat. Bmj 1996; 313(7060): S. 816-817 [[30]]
[[31]] Hailu A., Knutsen S.F. and Fraser G.E. Associations between meat consumption and the prevalence of degenerative arthritis and soft tissue disorders in the adventist health study, California U.S.A. J Nutr Health Aging 2006; 10(1): S. 7-14 [[31]]
[[32]] Choi H.K. Dietary risk factors for rheumatic diseases. Curr Opin Rheumatol 2005; 17(2): S. 141-146 [[32]]
[[33]] Arjmandi B.H., Khalil D.A., Lucas E.A. et al. Soy protein may alleviate osteoarthritis symptoms. Phytomedicine 2004; 11(7-8): S. 567-575 [[33]]
[[34]] Linkswiler H.M., Zemel M.B., Hegsted M. et al. Protein-induced hypercalciuria. Fed Proc 1981; 40(9): S. 2429-2433 [[34]]
[[35]] Kerstetter J.E. and Allen L.H. Dietary protein increases urinary calcium. J Nutr 1990; 120(1): S. 134-136 [[35]]
[[36]] Itoh R., Nishiyama N. and Suyama Y. Dietary protein intake and urinary excretion of calcium: a cross-sectional study in a healthy Japanese population. Am J Clin Nutr 1998; 67(3): S. 438-444 [[36]]
[[37]] Sellmeyer D.E., Stone K.L., Sebastian A. et al. A high ratio of dietary animal to vegetable protein increases the rate of bone loss and the risk of fracture in postmenopausal women. Study of Osteoporotic Fractures Research Group. Am J Clin Nutr 2001; 73(1): S. 118-122 [[37]]
[[38]] Chen H., O’Reilly E., McCullough M.L. et al. Consumption of dairy products and risk of Parkinson’s disease. Am J Epidemiol 2007; 165(9): S. 998-1006 [[38]]
Spendenbutton Website Vgs 322x322px InaktivSpendenbutton Website Vgs 322x322px Aktiv
Back To Top