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Der Entscheid, vegan zu leben, ist bei den meisten Veganerinnen und Veganern ethisch motiviert. Denn auf viele Fragen zu dem gegenwärtig ausgesprochen problematischen Mensch-Tier-Verhältnis bietet der Veganismus überzeugende Antworten.

Veganerinnen und Veganer werden oft kritisiert, ihre Lebenseinstellung sei “extrem” oder “unrealistisch”. Gerne verweist man dabei auf die langjährige Tradition und die gängige Praxis, Tiere zu nutzen. Auch betonen einige den grossen Genuss tierlicher Produkte und meinen, nur schon das rechtfertige den Konsum.

Der Speziesismus

Diese Ansichten zeigen insbesondere, dass nichtmenschliche Tiere für minderwertig gehalten werden. Sie gehören nicht der Spezies “Mensch” an und diese Andersartigkeit wertet sie ab. Viele ihrer Bedürfnisse werden darum nicht als schützenswert erachtet. Behauptet wird auch, Tiere seien nicht zu rationalem Denken fähig.

Deshalb hätten sie schlicht kein Recht auf Schutz des Lebens, Unversehrtheit und Freiheit. Diese Diskriminierung auf Grund der Artenzugehörigkeit ist vergleichbar mit einer Diskriminierung wegen Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe.

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Strukturelle Gewalt

Jede Nutzung oder Haltung eines Tieres durch den Menschen kommt nicht ohne Leid und Gewaltanwendung aus. Einmal natürlich in Form der sehr offenkundigen Gewalt beim Töten, Kastrieren oder Zähmen der Tiere. Das meiste Leid und die meiste Gewalt jedoch sind weniger offensichtlich und eher strukturell bedingt, da sie im engen Zusammenhang mit den Nutzungsbedingungen selber stehen. Diese haben zur Folge, dass die meisten Tiere in ihrem kurzen Leben niemals ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können,

wie die Aufzucht ihrer Jungen oder ihren Spieltrieb. Ebensowenig können sie auf Nahrungssuche gehen oder ihr natürliches Sozialverhalten ausleben. Bei all diesen Einschränkungen ist die Gewaltanwendung nicht offensichtlich. Es fliesst kein Blut und es bleibt meistens ruhig. Für die Tiere sind diese Einschränkungen jedoch grausam. All diese verschiedenen Methoden der Gewaltanwendung sind aber unverzichtbar, wenn der Mensch die Waren Fleisch, Geflügel, Fisch, Milch, Eier, Wolle, Leder etc. haben will.

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Der Abolitionismus und Tierrechte

Die naheliegende Frage ist natürlich: Dürfen wir das Tieren antun? Dürfen wir Tiere unseren Interessen einfach unterordnen und sie für unsere Zwecke nutzen und sie dadurch instrumentalisieren? Wer diese Fragen verneint und dagegen hervorhebt, dass Tiere sich selber gehören, geht klar über den herkömmlichen Tierschutz hinaus. Es geht nicht länger einfach darum, die Situation für die Tiere in den Ställen, den Käfigen, auf der Schlachtbank oder wo auch immer zu verbessern.

Der menschliche Nutzungsanspruch gegenüber Tieren wird als Ganzes abgelehnt. “Die Tiernutzung gehört abgeschafft” – so lautet die Forderung des Abolitionismus und auch der veganen Gesellschaft Schweiz. Begründet wird diese Forderung mitunter damit, dass Tiere einen Eigenwert haben und dieser Eigenwert hinreicht, um ihnen das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit zuzuschreiben.

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Tierethik und Naturethik

In diesen verschiedenen Überlegungen kommt eines zu Tage: Tiere sind natürliche Wesen, wie auch wir Menschen. Sieht man diese Gemeinsamkeiten erst einmal, scheint der Weg geebnet zu sein für viele weitere Fragen. Beispielsweise die Frage, ob wir nebst Menschen und Tieren auch die Natur als Ganzes moralisch berücksichtigen sollten. Für viele Veganerinnen und Veganer fängt der Veganismus zwar bei der Tierethik an, geht aber weit über diesen hinaus.

Das Unrechtempfinden wird nicht selten weit über das Offensichtliche hinaus geschärft. Ob das mit Extremismus zu tun hat, sei dahingestellt. Sicher gehen Veganerinnen und Veganer einigen wichtigen Problemen auf den Grund. Damit sind sie in einem gewissen Sinne radikal (aus dem Lateinischen: radix = Wurzel): Sie packen das Problem an der Wurzel. Vor allem aber zeigen sie, dass ein Leben mit Tieren und ohne Tierausbeutung möglich und keinesfalls unrealistisch ist.

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