skip to Main Content

Kleines Land – gigantische Mengen

In der Schweiz wird jede Woche durchschnittlich ein Kilogramm Fleisch pro Person konsumiert, rund doppelt so viel wie noch in den fünfziger Jahren. Trotz zunehmender Gammelfleischskandale, Tierseuchen und wachsendem Bewusstsein für die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums wird sich die weltweite Fleisch-Nachfrage bis 2050 laut Schätzungen verdoppeln.{{1}}

Jedes Jahr werden in der Schweiz 55 Millionen Tiere geschlachtet. Fische und Krustentiere sind in dieser Zahl nicht mit eingerechnet. Diese 55 Mio. Tiere decken zu 80% den Fleischkonsumbedarf der Schweizer Bevölkerung. Der Rest wird importiert. Nicht alle Überreste des geschlachteten Tiers landen in der Fleischverkaufsabteilung oder beim Metzger. Ein beachtlicher Teil, nämlich 230’000 Tonnen, wird in Form von Schlachtabfällen entweder entsorgt oder weiter verarbeitet.[2] Diese Abfälle landen unter anderem in Kaugummis, Gummibärchen oder Kosmetikartikeln.

496742_R_K_by_siepmannH_pixelio.de_

Gezüchtet, um zu sterben: Das kurze Leben der “Nutztiere”

Ein Tier, das in der Schweiz als Nutztier gehalten wird – egal ob “Bio” oder konventionell- hat nur einen Zweck: Es muss in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Profit abwerfen. Damit dies überhaupt gelingt, werden die Nutztiere “zurechtgezüchtet”. Masthühner beispielsweise sind speziell auf rasantes Wachstum gezüchtet. Insbesondere durch das Wegzüchten ihres Sättigungsgefühls sind sie in der Lage, täglich 5% ihres Eigengewichts zuzunehmen. Schon nach 42 Tagen erreichen sie ihr “Schlachtgewicht” von 2 kg. Dann werden sie getötet. Ihre natürliche Lebensspanne betrüge bis zu 15 Jahre.{{3}} Die widrigen Lebensumstände, denen “Nutztiere” von der Zucht bis zum frühen Tod ausgeliefert sind, sehen unabhängig von der Tierart immer ähnlich aus: “Stehen, liegen, fressen, koten – im dunklen Stall, auf engstem Raum. Tagaus, tagein. Den Himmel bekommen die Tiere nur auf dem Weg zum Schlachthof zu sehen. So leben rund 40 Prozent der 1,5 Millionen Schweizer Schweine.”{{4}}

Aber auch die Idylle friedlich grasender Rinder, Ziegen und Schafe auf der Weide trügt: Nach Schweizerischem Tierschutzgesetz muss Rindern und Schafen 90 Tage, Ziegen 120 Tage pro Jahr so genannter Auslauf gewährt werden, sofern sie in Anbindehaltung gehalten werden. Die restlichen Tage des Jahres dürfen sie im Stall angekettet werden. Dies ist bei bis zu 80 % der Schweizer Betriebe gängige Praxis. Auslauf heisst aber nicht automatisch Weidegang, sondern kann gemäss Tierschutzverordnung auch nur eine bescheidene Fläche im Freien sein, die dem Bewegungsdrang dieser Herdentiere nicht im Geringsten gerecht wird. Ebenfalls zulässig ist die reine Stallhaltung, also Haltung ohne jeglichen Auslauf, in deren “Genuss” z.B. die Tiere des Labels “Schweizer Fleisch” kommen.{{5}}

Lebensdauer-Vebu-bearbeitet

Enorme Ressourcenverschwendung und soziale Ungerechtigkeit

Jährlich werden in der Schweiz etwa 1.7 Millionen Tonnen Kraftfutter (v.a. Körnermais, Gerste, Hirse, Acker- oder Sojabohnen) an “Nutztiere” verfüttert. 50% dieser Futtermittel stammen aus dem Ausland,[6] häufig aus Gebieten, wo Regenwald für den Futtermittelanbau gerodet wird. Wer Fleischprodukte konsumiert (auch “Schweizer Fleisch”) trägt also dazu bei, dass Regenwald und der Lebensraum von Tieren vernichtet wird. Ebenso unterstützt man mit dem Fleischkonsum die weltweite Hungerproblematik: Die Menschen in Entwicklungsländern verlieren ihre Landflächen, wo sie Getreide für sich selber anbauen könnten, an Futtermittelanbauflächen der Tierindustrie. Die Böden und das Grundwasser werden durch die Monokulturen und die Fäkalien der Tiere ausgelaugt und verseucht. Dazu kommt, dass die hohe Nachfrage der Tierindustrie nach Futter die Preise für Grundnahrungsmittel

wie z.B. Soja oder Mais weltweit in die Höhe treibt. Die Haltung von Nutztieren und die Futtermittelproduktion verschwenden rund ein Drittel der Landflächen unseres Planeten und enorme Mengen an Trinkwasser.  Die Tatsache, dass 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und 1 Milliarde Hunger leidet, während in der Schweiz eine einzige Person im Schnitt 52 kg Fleisch jährlich verspeist, stimmt nachdenklich.

“Während Nahrung für eine vegan lebende Person auf weniger als 700 m² Land produziert werden kann, benötigt man über 13’000 m² Land, um die Nahrung für eine Fleisch essende Person zu erzeugen. Wenn man all das kultivierbare Land auf der Erde gleichmässig aufteilen würde, würde jeder Mensch 2’700 m² erhalten – mehr als genug, um sich vegan zu ernähren, aber nicht annähernd genug zum Erhalt eines Fleischessers.”[8]Der enorme Verbrauch an Ressourcen führt auch dazu, dass riesige Mengen an Methan und anderen klimaschädlichen Gasen freigesetzt werden. Aus diesem Grund ist die Viehzucht Klimakiller Nummer 1, noch vor dem gesamten weltweiten Verkehr.[9] Dies führt durch die gesteigerte globale Erwärmung wiederum dazu, dass sich die Hungerproblematik in trockenen Gebieten weiter verschärft.

Gesundheit auf dem Spiel

Noch immer gilt für viele der Werbeslogan “Schweizer Fleisch – alles andere ist Beilage”. Verbreitet sind die Klischees, Fleisch sei ein Kräfte-Lieferant, ein Symbol der Männlichkeit, eine Notwendigkeit für gesundes Leben. Dabei ist klar: Alle Nährstoffe, welche in Fleisch enthalten sind, lassen sich auch problemlos anderweitig abdecken. Es ist deshalb keineswegs notwendig für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Im Gegenteil: Viele Zivilisationskrankheiten werden mit dem Fleischkonsum in Verbindung gebracht. So haben Studien gezeigt, dass der Verzehr von Fleisch das Risiko erhöht, an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und anderen so genannten Zivilisationskrankheiten zu erkranken. Es erstaunt deshalb nicht, dass immer mehr ErnährungsexpertInnen eine vegane Ernährung empfehlen.

5Ausschnitt-23115_R_K_by_Halina-Zaremba_pixelio.de_

Kurzer Gaumenkitzel vs. Leben

Gemäss Schweizerischem Tierschutzgesetz ist es verboten “ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde verletzen”. Es wird also davon ausgegangen, dass es unter bestimmten Umständen durchaus gerechtfertigt ist, Tieren Schmerz, Leid und Angst zu bereiten. Als Grund ist scheinbar ein kurzer Gaumenkitzel ausreichend, der gemäss den Ausführungen des Tierschutzgesetzes als “überwiegendes Interesse” interpretiert werden kann

Der menschliche Genuss wird somit als moralisch höheres Interesse bewertet als das Leben eines Tieres. Doch gibt es in den im Überfluss lebenden Industriestaaten keine ethische Rechtfertigung für den Fleischkonsum, wenn man die Schäden betrachtet, die dieser weltweit verursacht. Fleischkonsum ist für das Überleben eines Menschen erwiesenermassen nicht notwendig. Die gute Nachricht: Für die Gaumenfreuden gibt es zahlreiche schmackhafte und gesunde Alternativen!

Back To Top