Kuli­na­ri­scher Ber­lin­be­richt 2013

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IMG_4830Ja, schon wie­der ein Food­be­richt aus Ber­lin, den­ken sich wohl eini­ge unter euch. Stimmt viel­leicht – aber das umfang­rei­che und v.a. wech­sel­haf­te bzw. wach­sen­de vega­ne Gas­tro-Ange­bot ver­lei­tet, gera­de aus Schwei­zer Sicht, immer wie­der, einen etwas neid­vol­len, aber hof­fent­lich trotz­dem inter­es­san­ten Blick in die Haupt­stadt zu wer­fen.

Mit dem Nacht­zug ist die Ankunft früh und der Hun­ger gross. Schein­bar ist vega­nes Früh­stück (aus­ser am Wochen­en­de bei den ver­schie­de­nen Brun­ches im Vias­ko, CafeV, Veganz, usw.) wie­der weni­ger im Trend? Das Café im Veganz ist jedoch ab 8:00 offen und bie­tet somit sogleich Ers­te Hil­fe mit Scho­ko-Crois­sants, Bagels, Smoot­hies, Donuts u.v.m. zusätz­lich natür­lich zum mons­trö­sen Ange­bot im Laden selbst. Der Schuh­la­den avesu ist (zum Glück) erst ab 11 offen und teilt sich nun mit einem vega­nen Klei­der­la­den die Nach­bar­schaft des Veganz. Beim Schmö­kern der neus­ten vega­nen Spe­zia­li­tä­ten und beim Nach­fra­gen, ob es die ver­ges­se­ne Zahn­bürs­te auch im Ange­bot gebe, merkt die net­te Mit­ar­bei­te­rin wohl auf­grund des unver­zeih­ba­ren Akzents an, dass sie auch aus der Schweiz sei und in den letz­ten Tagen fast mehr Schwei­ze­rIn­nen als loka­le Vegan­ze­rIn­nen zuge­gen waren. Viel­leicht bie­tet sich eine Selbst­hil­fe­grup­pe für vega­ne Exil­schwei­ze­rIn­nen in Ber­lin an? Oder eine VGS-Aus­sen­stel­le?

Any­way, die­se Gedan­ken ver­flie­gen nach kur­zem Jet­lag-Ver­dau­en und erneu­tem Hun­ger im Ex-"Kom­merz­punk" bzw. "Wind und Wet­ter" bzw. mit sons­ti­gen schein­bar sai­so­nal wech­seln­dem Namens­ge­bung beti­tel­ten Lokal, wel­ches mit loun­ge­ar­ti­gen Inseln, lan­gen Tischen und künst­le­ri­schem Inte­ri­eur posi­tiv über­rascht. Die KöchIn­nen hier am Werk sind offen­sicht­lich ver­ban­delt mit den (unver­schäm­ter­wei­se in den Betriebs­fe­ri­en wei­len­den) Lucky-Lee­kers, denn das Essen und die Prä­sen­ta­ti­on sind fast genau­so sen­sa­tio­nell. Die Ran­den-Kokos Sup­pe eine klei­ne Offen­ba­rung und der Chi­li Sin Car­ne eine Sün­de. Die ver­heis­sungs­vol­le Abend­kar­te wur­de vor­erst mal inspi­ziert, mehr dazu dann wei­ter unten.

Im rela­tiv gut gefüll­ten Kopps ist die Ent­täu­schung über die aus­ge­gan­ge­nen "Fisch­stäb­chen" (vll. weil es Frei­tag war) durch den etwas lieb­lo­sen Grün­kern­bur­ger nur schwer wett­zu­ma­chen. Die Pom­mes mit­tel­k­nusp­rig, und wenn schon Jala­pe­nos fri­tiert wer­den dann bit­te mit Käse gefüllt, der Bur­ger soll­te nicht aus­ein­an­der­fal­len und der Salat nicht in der Sau­ce ertrin­ken. Trotz­dem super, dass Moschin­ski & Co. schein­bar fest nahe dem Rosentha­ler­platz instal­liert sind, um die Gegend mit vega­ner Cur­ry­wurst, Bur­ger, "Fisch­stäb­chen", Lasa­gne und Co.IMG_4922 zu ver­sor­gen.

Im Sin­ne des inter­kul­tu­rel­len-vegan-Aus­tau­sches war ein Besuch am Ber­lin-Vegan-Stamm­tisch, der alle zwei Wochen von Ber­lin-Vegan bzw. Jör­an gehos­tet wird, ange­sagt. In dem indisch-vege­ta­ri­schen Restau­rant Sat­yam konn­ten alle frei von der fast vega­nen Kar­te mit Dut­zen­den von Gerich­ten aus­su­chen. Doch Platz war rar und es konn­te gera­de noch ein frei­er Platz ergat­tert wer­den, bevor dann doch noch wei­te­re Tische her­bei­ge­holt oder in Beschlag genom­men wur­den, um den vie­len ein­tru­deln­den Stamm­tisch­le­rIn­nen Platz zu bie­ten. Bei 35 "vielleicht"-Anmeldungen ist halt auch nicht ein­fach zu pla­nen. Ähn­lich wie bei uns dreh­ten sich die Gesprä­che um Namens­schil­der ja/nein, Ört­lich­keit des nächs­ten Stamm­ti­sches (wird jedes zwei­te mal online abge- und bestimmt), wie mit Neu­lin­gen umzu­ge­hen ist, das Essen und vie­les mehr. Schön zu sehen, dass die Stamm­tisch­kul­tur ähn­lich gelun­gen und gele­gen ist wie bei uns (auch wenn die Aus­wahl des Lokals unge­mein schwie­ri­ger sein muss) und ein gedie­ge­ner Aus­tausch in die­sem erprob­ten Rah­men wun­der­bar mög­lich ist.

Das Yoyo ist eigent­lich auch einen Besuch wert. Alles ist vegan von den Käse-Spätz­le übers Cor­don­bleu und etli­che Bur­ger in allen Varia­tio­nen und guter Qua­li­tät. Die Ein­rich­tung sieht jedoch inzwi­schen schwer mit­ge­nom­men aus und erscheint drin­gend rei­ni­gungs- und reno­va­ti­ons­be­dürf­tig. Kei­ne Spur von Fri­sche und in die­ser Form mög­li­cher­wei­se sogar abschre­ckend für Leu­te, die mini­ma­len Wert auf Sau­ber­keit legen. Das Hotdog&Soup nahe Box­han­ge­ner­platz bie­tet all sei­ne Hot­dogs und die meis­ten Sup­pen neben flei­schig auch vegan an und das Lokal erfreut sich schein­bar über Besuch von gross und klein. Das Ohla­la war lei­der noch im Neu­jah­res­schlaf aber der Ein­gang ver­heisst vie­le fran­zö­sisch inspi­rier­te Ver­su­chun­gen für ein Ander­mal.

Dann war es end­lich soweit, um wohl die aller­ers­te vega­ne Piz­ze­ria dies­seits des Nord­pols zu besu­chen. Das Sfi­zy Veg in Neu­kölln bie­tet eine über­gros­se Aus­wahl an: ca. 180 Piz­zen und ande­re ita­lie­ni­schen Gerich­ten. Die klei­ne, gemüt­li­che Bude ist rap­pel­voll und vor den meis­ten Gäs­ten liegt eine rie­si­ge, den Tel­ler über­lap­pen­de, gol­dig glän­zen­de Piz­za mit unter­schied­lichs­ten Belä­gen, die für das unge­wohn­te Vega­ner-Auge wie Kunst­wer­ke einer ver­lo­ren gegan­ge­ner Zeit anmu­ten. Der Qual der Wahl aus­ge­lie­fert fällt der Ent­scheid (inkl. vor­gän­gi­gem online Stu­di­um) auf die sonst am ehes­ten nie­mals erkauf­ba­re Piz­za "Frut­ti Di Mare". Bestückt mit Soja Cala­ma­res und gros­sen und klei­nen Gar­ne­len, Schnitt­lauch und einem Zitro­nen­schnitz ver­zückt es den aben­teu­er­lus­ti­gen Gau­men. Auch der "Thun­fisch­sa­lat" mit Kapern Zwie­beln, sal­zi­gen Oli­ven, Gur­ken und Nüss­li­sa­lat beweist, dass die Küchen­crew ihr Hand­werk ver­steht und sicher irgend­wo ita­lie­ni­sches Blut mit von der Par­tie ist. Der Salat ist ein Gedicht und wohl Vor­bo­te der­je­ni­gen Ver­si­on, die sich als Stan­dard eta­blie­ren wird, sobald die­ser Fisch end­gül­tig aus­ge­rot­tet sein wird. Da jedoch noch wei­te­res Aus­kund­schaf­ten ansteht an die­sem Abend, wird die Hälf­te der Piz­za zusam­men mit einem Stück Scho­ko-Erd­nuss­tor­te ein­ge­packt und in die rela­tiv fri­sche Luft im sonst schwer döner­duft­las­ti­gen Neu­köln ent­flo­hen. Sfi­zy macht hap­py!

Die Abend­kar­te des Kom­merz­punk mach­te jedoch Lust bzw. fast schon Obses­si­on für einen wei­te­ren Besuch. Und es hat sich gelohnt. Vier klei­ne Bur­ger mit einem Pilz­schirm als Fleisch und wun­der­voll kara­me­li­sier­ten Zwie­beln, artis­tisch prä­sen­tiert, erfreu­ten unge­heim. Der Buf­fa­lo-Wrap war def­tig, käsig-knusp­rig und ent­täusch­te genau­so wenig wie der kal­te Bana­nen­nusst­raum zum Des­sert. Auch die panier­ten Seit­an-Fin­gers, wel­che in deli­ziö­se Sau­cen zu tun­ken gedacht sind, mun­de­ten eben­so wie der Scho­ko­mousse-Kuchen im Glas. Der "Thunfisch"-Auflauf war dann doch zuviel des Guten und die Majo­ran Brat­wurst mit Knob­lauch geschmor­tem Grühn­kohl muss­te dies­mal aus Magen­platz­grün­den dann auch ver­schmäht wer­den. Aber hof­fent­lich gibt's das Lokal, unter wel­chem Namen auch immer, noch lan­ge. Denn solch unver­krampf­tes, ver­spiel­tes und in solch coo­lem Ambi­en­te gebo­te­nes Vega­nes braucht es öfters!

Am Sonn­tag war wie­der Vega­ner-Schlem­mer-Brunch ange­sagt. Der Besuch fiel jedoch kurz­fris­tig aus, da das Ange­bot am frü­hen Nach­mit­tag bereits eher spär­lich schien und die meis­ten Tische in dem besetz­ten Haus es eben­so waren. Das Mit­bring-Sys­tem (=Pot­luck) scheint jeden­falls Anklang zu fin­den und emp­fiehlt sich auch in der Schweiz zur häu­fi­gen Ver­viel­fäl­ti­gung. Wobei gros­ser Wert auf Sau­ber­keit und Kin­der­freund­lich­keit gelegt wer­den soll­te.

Als Nächs­tes wur­de die Spur zu den Sun Day Bur­gers auf­ge­nom­men, um eines die­ser sagen­um­wo­be­nen Tei­le end­lich mal ein­ver­lei­ben zu kön­nen. Weit im Innern des Floh­markts im Mau­er­park ist die­ser sym­pa­thi­sche Take-Out Stand dann auf­ge­spürt. An dem Tag hat­ten sie lei­der, auch wenn gleich­falls lecker, "nur" Thai-Cur­ry anzu­bie­ten. Für einen Schwatz und etwas Kurz­phi­lo­so­phie, war's gera­de rich­tig um aus dem Ber­li­ner Nie­sel­re­gen und Tou­ris­ten­strom aus­zu­tau­chen.

Nach einer Stipp­vi­si­te zu ein paar Wun­der-Nug­gets im Vego ging's wei­ter dem Geld­beu­tel mit­tels Waren­korb­stop­fe­te im Veganz an den Kra­gen. Für Lara­da und die kom­men­de Vega­ni­sie­rung der Welt soll ja schliess­lich vor­ge­kos­tet wer­den. Nach reich­hal­ti­gem Ein­kauf aller­lei neu­er und span­nen­der Pro­duk­ten, wur­de auf die letz­ten (her­vor-roh-ragen­den) Bis­sen des Brun­ches vom Geschäfts­füh­rer per­sön­lich ein­ge­la­den und dar­auf­hin wie­der ein­mal ver­si­chert, dass Zürich dem­nächst als Stand­ort für ein Veganz anvi­siert wird. Das Avesu war lei­der Sonn­tags geschlos­sen, aber nur schon das Schau­fens­ter zeigt, welch Mar­ken- und For­men­viel­falt an vega­nen Schu­hen es inzwi­schen gibt.

Zur Unter­ma­lung der Geschicht' wie immer ein paar Hüft- oder Tel­ler­rand-Shots des Geges­sen- und Gese­he­nen. Wir hof­fen, es regt zur Nach­ah­mung oder zum sel­ber mal wie­der Hin­rei­sen an.

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