Vegan-Bericht aus Hamburg

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Reisebericht-Rafi-FotoNach vielen Empfehlungen war nun auch Rafi diesen Sommer für vegan.ch unterwegs, die Hansestadt mit dem aus früheren Berichten bereits bekannten, gastro-vegan-kritischen Auge und v.a. Magen zu begutachten. Bilder davon hat es weiter unten.

logo_neuDas Leaf, eines der ältesten und gestandenensten Lokalen in Hamburg, wurde als erstes ausgekundschaftet. Zwar wurde die Reservation via FB gern entgegengenommen aber mit der Ermahnung verbunden, nächstes mal doch besser anzurufen. Das Positive vorweg: das gemütlich rustikale, etwas urchige Lokal mit grossen Holztischen bietet nur Veganes. Die Tische im Leaf sind an diesem Abend drinnen und draussen alle besetzt und ausser dem nervigen Jazzgedüdel im Hintergrund war es angenehm ruhig. Feines Brot mit Olivenpesto-Öl wurde vorab gereicht. Danach ging es leider bergab. Der Wildkräutersalat an Erdbeerdressing mit heissen Spargelspitzen war in Ordnung, aber nicht besonders ausgewogen. (Hier scheint das Sprichwort „Erdbeer rot, Spargel tot“ nicht zu gelten.) Die heissen Kohlviertel (inkl. Strunk) zum selber schneiden an einer senfigen Sauce und getrockneten Tomaten waren zwar ansprechend, aber vom Handling etwas schwierig und auch geschmacklich eher ein Experiment. Die andere Vorspeise bestand aus zwei bleichen und deutlich zu wenig gebackenen Brötchenscheiben worunter ein stückchen Tempeh und ein paar dünne Scheiben Ananas eingequetscht waren. Der warme Fenchelflan, optisch zwar ebenfalls ansprechend, aber irgendwie geschmacklich zu wenig ausgeglichen, um einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Den Hauptgängen waren die vielen Zutaten und angepriesenen Bestandteile den Gerichten auch eher abträglich. Papaya auf gummigem Seitan auf Spargeln, dazu Zitronencreme im Teignest wollte einfach nicht zusammenpassen. Die gebratenen Kartoffelklösse (“Knoblauch-Malheur”) neben dem um einiges zu bissfesten Auberginenturm mit Zwischenlagen aus getrockneten Tomaten leider auch nicht. Das Essen im Leaf traf also überhaupt nicht des Testers Geschmack, hingegen wohl genau jener des eher älteren Hamburgers Klientels und das ist ja gut so.

logo-fairyfoodDas fairy food, etwas nördlich des Zentrums entlang der Alster, war die zweite rein vegane Lokalität auf der Liste. Am Strassenrand eher unscheinbar ist dieses kleines Lokal versteckt und bietet draussen nur gerade 4 Plätze auf hohen, wackligen Bar-Stühlen. Leider war nur ein Bruchteil des verheissungsvollen Menus zu haben. Der Rührtofu-Wrap hatte nichts als eine salzige Curry-Paste drin. Der Pilze-Wrap nur gerade eingelegte (!) leicht säuerliche Pilze und ausser zuviel Öl sonst gar nichts zu bieten – kein Salatblatt oder sonstiges Gemüse weit und breit. Der Vitamix-Smoothie war zu klein bzw. viel zu gross für das kleine Glas. Alles schien irgendwie nicht zusammen zu passen. Vielleicht lag es daran, dass die zweite Filiale neben dem neuen Veganz die ganzen Kräfte in Anspruch genommen hat? Die sehr nette Bedienung schien selbst noch nicht ganz überzeugt von dem (etwas komplizerten) Konzept des fairy zu sein. Der Brownie und Apfelcrumble wurden mitgenommen und später für OK aber ohne das gewisse Etwas befunden. In dieser Form war das Lokal, welches während der Mittagszeit keine anderen Gäste aufwies eine weitere Enttäuschung und wird wohl leider kein Aushängeschild für vegan. Lieber weniger offensichtlich durchkonzipiertes Hochglanz-Getue und grüne Lämpchen, dafür gutes, frisches Essen bieten!

Loving_Hut_HamburgSoweit war die Reise in den Norden also eher ernüchternd. Da sollte das Loving-Hut, das als Anhänger der Ching-Mai-Sekte aus vielen anderen Städten bekannte, vollständig vegane Restaurant, Besserung verheissen. Und in der Tat wurde es besser. Von den Loving-Huts gibt es ja auch schlechte Ableger (u. A. in Wien und London). Das Restaurant war (auch wegen einer grösseren Gesellschaft von Jugendlichen) gut gefüllt und der sichtlich gestresste Inhaber hatte zwar kein Lächeln übrig, aber dafür eine grosse Auswahl an Gerichten zu bieten, in denen Seitan, Tofu oder Vegane-Meeresfrüchte in den wohl traditionell Vietnamesichen Speisen eingesetzt werden. Papayasalat, knusprige Rollen und eine wunderbare Kokos-Suppe (nicht Berlin-Chai-Viet-Niveau) zum Start, gefolgt von eher durchschnittlichen Gemüsenudeln. Dazu unsere bekannten Sojaschnitzel neben einer doch etwas sehr braven BBQ-Sauce, ein paar nackten Brokkoliröschen und etwas gebratenem Reis mit Tofustückchen, Mais und gerösteten Zwiebeln obendrauf – soweit gut und sättigend aber auch nicht oberste Liga. Der weiche, samtige Schoko-Kuchen stimmte jedoch dann doch zum versöhnlichen Abschluss.

miller_vegan_hamburgZwei Strassen oberhalb der berüchtigten Reeperbahn sind das Miller und das Backbord. Beides Restaurants, die auch Veganes anbieten und eher dem alternativen Milieu zuzuordnen sind. Im Miller wurde an einem der wenigen freien Plätzen im Schatten deftig Englisch gebreakfastet mit Scrambled Tofu, Würstchen und Toast. Auch der Aufstrich, das Obst und die Aufschnitte mundeten.
Backbord_Hamburg_veganGlustig gemacht auf das Gyros im Backboard ging es darauf Abends in das punkige Lokal, in dem ohne Lächeln aber trotzdem freundlich bedient wird. An den Plätzen draussen war kein Platz frei an diesem lauen Sommerabend im Kiez. Der Grosse Salatteller hatte dann die (etwas zu) knusprigen Seitan-Streifen drauf. Dazu, sowie auch später zum Gyros, wurden die so oft in vegan vermissten Sösschen (hier Ajoli und ein feines Tzaziki) passend serviert. Die Spaghetti Bologneser Art waren gut, ein Räuchertofu zeigte sich dabei für die Bolo-Komponente verantwortlich, während Lauch und Rüben an die vegane Bolo im Hiltl, in Zürich erinnerten. Zum Dessert musste dann auch noch ein Oreo-Cupcake von der grossen Torten- und Kuchen-Auswahl im unweit entfernten Miller herhalten.

bevegend_hamburg_veganDas Bevegend, Hamburgs erster Mini-Veganladen zeigt auf nur ca. 15 Quadratmeter die ganze Palette an veganen Spezialitäten. Mit vier Personen ist der kleine Laden bereits voll. Gemütlich ist es trotzdem und geboten wird für die kleine Fläche eine unverhältnismässig grosse Auswahl an Vleisch, Süssem, Kosmetika, T-Shirts, Bücher, Tierfutter, Eis, Bier und anderen Getränken.

FeldsternLogoAm nächsten Morgen ging es dann ins hippe Schanzenviertel, wo der Feldstern unweit des U-Bahnhofs zum Frühstück „zum selber Basteln“ einlud. So konnte auf einer Spezial-Karte angekreuzt werden, was einem dazu beliebt. Eine Auswahl wie im Frühstücks Himmel. Die lange Wartezeit ob der vielen Gäste, die draussen sassen, wurde mit einem Hammer-Frühstück entschädigt. Obstsalat mit Joghurt, Rührtofu (mit Oliven, Zwiebeln und Pilzen), die Nürnberger Würstchen und der knusprige Toast mundeten vorzüglich. Liebes_Bisschen_HamburgDanach empfiehlt es sich quer durchs Viertel ins schmucke “Liebes Bisschen” zu flanieren, um z.B. den Rüeblichueche (wie von der Grossmutter selbst gebacken) und den Erdnuss-Cupcake zu probieren.

Von der süssen Liebe gebissen, war der Hamburg Besuch dann auch schon vorbei.

Was also eher enttäuschend begann, kehrte sich dann doch noch ins Kulinarisch-Erfolgreiche. Somit ist eine Empfehlung für einen Hamburg-Besuch durchaus angebracht, zumal es noch einige weitere Angebote gibt und nicht einmal die soeben eröffnete Veganz-Filiale begutachtet werden konnte.

Wer die letzten Berichte aus Berlin verpasst hat oder aktuelle Infos haben möchte, hier auch noch stichwortartig das Neuste aus der veganen Hauptstadt Europas im Juli 2013:

Lucky Leek: Gerade noch geschafft vor Pause. Zartester Randen-Seitan ever. Grandios. Undefinierbare Speise-Teile mit überraschend unprätentiösen Gaumenfreuden.
Veganz: frische Bagel- und Schokocroissant-Lieferung abgewartet und zugeschlagen. Zweite Location an absolut zentraler Touristenlage! Avesu & Goodies gehen mit.
Chai Viet: Ehemaliger Geheimtipp. Knusprige Rollen. Tofu in tausend Varianten. Kokossuppe cremig ohne ölig zu sein. Jahrhundertlang erprobte Kombinationen.
Vego: Der neue Schokoriegel – ein Monsterteil! Überrascht sogar den geübten CH- Schoggi-Gaumen. Burger und Pizza standard. Super.
Momos: Leider etwas ölig und fade Angelegenheit aber durchwegs sättigend, die mini Teigtäschchen.
Mano Verde: Fade Gazpacho. Mirabellen im Salat sauer. Lange Wartezeit. Am Besteck wird nicht gespart (ca. 10 Gabeln). Eine ganze Portion Rucolasalat als Turm auf den Spaghetti unpassend. Tempeh lieblos fritiert. Lauch zu bissfest. Kurz gesagt: teure Katastrophe.
Yellow Sunshine: Fisch-Börger war “aus”. Currywurst hielt Vergleich mit Wurst und Moritz nicht Stand. Der Double-Chicken hingegen war wunderbar und die Fritten kross wie eh und je.
Cafe V: Immer noch einige Seitan-Gerichte (u. A. eine Pizza). Zudem unweit des Cafe V überrascht ein kleiner Laden mit Öko-Textilien und sogar einer kleinen Auswahl Vegetarian-Shoes (!)
Sfizy Veg: Heiss ersehnt. Vorgemerkt und bestellt wurde 1, 19, 22, 44, 97 und 107 mit Zwiebeln. Broccoli, schwarzem Sesam und Ricotta obendrauf & Lachs an Safransauce. Wässrige Augen. Die Salate und Bruschetta ein Traum. Augen wässrig. Die Spaghetti Carbonara eine Offenbarung im heissen Pfännchen.

Fazit: Berlin Veganparadies, Hamburg aus Vegan-Sicht eine Reise wert.

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