Von Gräsern und Gänseblümchen

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kimono blase

Die neue Ausgabe des “Gesundheitstipp” beschäftigt sich mit dem Thema Diäten. Aus irgendeinem Grund wurde die vegane Ernährung als Stellvertreterin gewählt. Das Titelbild: Ein Teller mit Gras, dekoriert mit zwei Gänseblümchen. Darunter in grosser Schrift: “Veganismus und Co. Wenn das Essen zur Religion wird.” Mein Versuch mich zu erinnern, wann ich das letzte mal Gänseblümchen gegessen habe, scheitert. Und ich hatte auch noch nie das Bedürfnis, ins Gras zu beissen. Es stellt sich die Frage: Lebe ich den Veganismus dermassen falsch? Oder hat die Redaktion des “Gesundheitstipp” ein verzerrtes Bild davon?

vegane ernährungspyramide

Der Artikel selbst behandelt dann verschiedene, vom “Gesundheitstipp” als besonders “absurd” und “radikal” eingestufte Diäten gleichzeitig. Anhand von Einzelbeispielen werden diese umrissen. Frau Klumpp aus ZH ernährt sich seit einigen Wochen vegan, wegen ihren Rückenschmerzen. Das erinnert mich an den Moment, als ich mich entschieden habe vegan zu werden. Ich wollte nicht mehr, dass Tiere für meinen kulinarischen Genuss leiden. Die für mich verursachte Umweltbelastung eingrenzen. Aber nicht wegen meiner Gesundheit. Ich überlege, wer von den vielen Veganen, die ich kenne, es seiner Gesundheit zuliebe tut. Ein Einziger fällt mir ein. Dann lese ich den Abschnitt über Orthorexie, mache natürlich sofort den Selbsttest und stelle erleichtert fest, dass ich alle Fragen mit Nein beantworten kann. Ich habe kein gestörtes Essverhalten.
Es ist klar: Diese Form des Veganismus, die der “Gesundheitstipp” zeichnet, hat nichts mit meinem Veganismus zu tun. Und da ich ein absoluter Durchschnittsveganer bin, hat er auch wenig mit der Realität an sich zu tun.
In aller Regel sind Vegane ethisch motiviert. Es geht nicht um Gesundheitsmaximierung oder um Struktursucht. Veganismus ist keine Störung. Hätten sich die Verantwortlichen des “Gesundheitstipp” die Zeit genommen, ein paar Minuten die Webseite der Veganen Gesellschaft Schweiz zu studieren, wäre Ihnen das auch klar geworden. Dort findet man, was es zu beachten gilt, wenn man sich vegan ernähren will: Ausreichende Vitamin B12 Zufuhr, abwechslungsreich und genügend Essen. Echte “Gesundheitstipp”, die man eigentlich auch von diesem Magazin hätte erwarten dürfen. Wenn es schon so heisst. Dass das gesund ist, beweisen meine letzten Blutwerte. Nach 4 Jahren kein Mangel weit und breit. Übrigens: Ominöse Versprechungen wie das Lindern von Rückenschmerzen sucht man auf vegan.ch vergebens.

Wie kommt es, dass ich mich in Medienberichten über Veganismus häufig nicht repräsentiert fühle? In der Regel lese ich sie gar nicht mehr, nur an den gröberen journalistischen Fehltritten komme ich nicht vorbei. Zum Glück wird regelmässig bewiesen, dass es auch anders geht. Und sollte ich etwas aktiv dafür tun können, damit ich mich als Veganer in Zukunft von der Presse ernst genommen fühlen kann, lasse man es mich bitte wissen.
So, jetzt mache ich mich auf den Weg zu meinen Grosseltern, wo wir zu sechst an einem Tisch essen werden. Ganz ohne Kalorien zu zählen.

 

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