Warum wir feiern, wenn Fastfood-Ketten ihr veganes Sortiment erweitern

Warum die Vegane Gesellschaft Schweiz gut findet, wenn ein sonst fleischlastiger Betrieb vegane Produkte anbietet, ist für einige schwer nachvollziehbar. Veganer*innen wollen so ein Produkt doch nicht unterstützen, oder? 

 

Diese Woche hat Burger King in 25 Ländern einen vegetarischen Burger ins Sortiment genommen. Wenn man den «Rebel Whopper» ohne Mayonnaise, dafür mit Ketchup beestellt, ist er vegan. Wir haben diese News gepostet, schliesslich freuen wir uns immer, wenn sich  im Bereich Fast Food etwas in Richtung vegan tut. Nicht alle verstehen allerdings, warum wir das tun.

In den Kommentarspalten von Zeitungsartikeln heisst es etwa: “Warum sollen Vegetarier*innen in einem Burger King essen gehen? Da gibt es doch mittlerweile echt genug Alternativen.”

Auch die Nachrichten, die uns in der Vergangenheit zu diesem Thema erreicht haben, waren zahlreich. Posteten wir jeweils auf Social Media, dass eine Fastfood-Kette jetzt auch ein veganes Menü anbietet, erreichten uns viele positive Rückmeldungen – aber nicht nur. Wieso unterstützen wir Betriebe, die Tiere ausbeuten und meist auf Billigfleisch zurückgreifen?

Deshalb hier 7 Gründe, weshalb wir Produkte wie den Rebel Whopper & Co. gut finden:

 

1. Vegan wird mainstream

Ja, vegan + Burger, das ist kein Gegensatz! Das zeigen der Big Vegan oder der Rebel Whopper anschaulich. 

Ein Hamburger bezeichnet nur den Namen des Imbiss: Ein Patty zwischen zwei Brotscheiben. Dass der Patty aus Fleisch besteht, hat sich in unserer Kultur so entwickelt. Momentan entwickelt es sich weiter in Richtung pflanzlich. Und wem noch nicht bewusst war, dass das genauso gut, wenn nicht besser schmecken kann, weiss es spätestens nach der Bestellung eines solchen Burgers. Ungezwungener lässt sich ein veganer Burger kaum testen.

2. Der schnellste Weg

Ein Traum wäre es, nur noch bei veganen, ethisch motivierten und umweltfreundlichen Unternehmen einzukaufen. In der Realität sieht es aber anders aus: Solche Unternehmen sind rar, und erreichen die grosse Masse entweder gar nicht oder nicht flächendeckend. Damit solche Unternehmen überleben und sich etablieren können, braucht es zuerst einmal mehr Kund*innen, die solche Produkte kaufen würden. Wenn wir dank veganen Burgern beim Fast-Food-Riesen eine grosse Menge Leute erreichen, die mit der veganen Ernährung so in Berührung kommen, und sich möglicherweise entschliessen, sich öfters oder komplett pflanzlich zu ernähren, schaffen wir vielleicht die Kundschaft, dass ethisch motivierte, korrekte vegane Unternehmen künftig überleben können.

3. Angebot und Nachfrage

«Es besteht keine Nachfrage»: Das war bislang die Aussage von McDonalds, wenn wir sie nach einem veganen Burger fragten. Dies wäre die Wahrheit, wenn vegan lebende Person Fastfood-Ketten komplett ignorieren würden. Der vegane und der nicht-vegane Lifestyle könnten so nicht koexistieren. Wir möchten aber, dass die pflanzliche Ernährung akzeptiert wird und in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Es soll völlig normal sein, ein veganes Menü bestellen zu können. Ein veganes Angebot in Fast-Food-Ketten gehört für uns also selbstverständlich dazu.

4. Burger ist Liebe 

Die Mehrheit der Veganer*innen isst auch gerne mal Pizza oder Burger. Vegan zu leben, heisst nicht notwendigerweise, dass man gut und gerne kocht. Und auch nicht, dass man sich ab jetzt nur noch gesund ernährt. Wer mit seinen Freunden auf der nächtlichen Tour unterwegs ist, hat nun endlich mehr Auswahl als nur Pommes. Veganer*innen brauchen nicht mehr einen spezifischen Take-Away Betrieb aufzusuchen, von dem sie wissen, dass er Falafel im Angebot hat. Keine Extravegiwurst mehr, keine peinlichen Momente. Jeder bestellt den Burger, den er möchte. Und vielleicht probieren die Freunde dann sogar ebenfalls mal den veganen Burger.

5. Ein Angebot für nach dem Klimastreik

Spätestens seit den eidgenössischen Wahlen ist klar: Die Schweiz will umweltfreundlicher werden. Nicht jeder kann sich Solarpanels auf dem Dach und den dazu passenden Tesla leisten. Kleine Dinge, wie auf Plastik verzichten, kann hingegen jede*r. Noch effektiver ist es, einen Teil oder alle Mahlzeiten durch rein pflanzliche zu ersetzen – im Schnitt ist die Ernährung zu 28% verantwortlich für den CO2-Fussabdruck einer Schweizerin oder eines Schweizers. Vegane Angebote bevormunden hungrige Menschen nicht – im Gegenteil, die Entscheidungsfreiheit wird grösser. Noch nie war es in den letzten Jahrzehnten einfacher, sich klimafreundlich zu ernähren.

6. Das ist ein Statement.

Selbst wer sich nicht fürs Thema Veganismus interessiert, kam 2019 nicht umhin, vom veganen Boom Kenntnis zu nehmen. Auch wer alles Negative ausblendet, worauf der vegane Lifestyle eine Antwort zu geben versucht, sieht plötzlich: «Hey, es gibt immer mehr von denen!» Spätestens wenn grosse Ketten wie Subway oder die Chickeria vegane Produkte anbieten, regt das zum Denken an. Der vegane Lebensstil ist nicht nur was für die anderen. Vegan ist für jede*n. Also auch für dich. 

7. Vegan wird zur Normalität

Wenn jedes Restaurant Angebote mit und ohne Tierprodukte hat, bedeutet das einen grossen Schritt für den Veganismus: Der Schritt in die Normalität. So verhielt es sich beim Vegetarismus auch zu Beginn. Mittlerweile findet man in praktisch jedem Gastrobetrieb mindestens ein vegetarisches Angebot. Wie lange dauert es wohl, bis es überall auch rein pflanzliche Angebote gibt?

 

Die Krux mit demselben Rost

 

«Obwohl der Rebel Whopper einen pflanzlichen Patty hat und kein Fleisch enthält, wird er auf dem gleichen Bratrost wie unser Rindfleisch und Huhn grilliert», sagte Burger-King-Sprecher Lucas Mörgelin gegenüber 20 Minuten. 

 

Klar, wir hätten am liebsten zwei separate Grillroste. Bei Burger King soll wenigstens der Rebel Whopper auf der einen Seite und das Fleisch auf der anderen Seite des Grills gebraten werden. Ob das in Betrieben tatsächlich so gehandhabt wird, kann man als Konsument*in nicht kontrollieren. Und dass Fett auf die andere Seite spritzt, lässt sich wohl nicht ausschliessen. Grundsätzlich kann eine Kreuzkontamination also leider nie ausgeschlossen werden, wenn nicht der ganze Betrieb mit rein pflanzlichen Nahrungsmitteln kocht. Wir wollten von euch wissen, wie ihr das seht, und lancierten eine Umfrage auf Facebook:

Offensichtlich polarisiert die Angelegenheit. Was denkst du darüber? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

Kommentare

7 Kommentare

  • Leider musste ich mir bereits anhören, wie kleinlich es wäre, ihn nicht zu bestellen, weil er auf demselben Grill zubereitet wird wie die Fleischpatties. Ich frage mich eher, warum man sich so ziert, die Patties einfach auf einem separaten Grill zu machen? Wenn wir etwas einfordern, weil die aktuelle Vorgehensweise aus einigen Gründen sinnbefreit ist, werden wir als Mimosen hingestellt. Dann fällt mir die Entscheidung nicht schwer: Wenn es ein Burger nachts um 1 sein muss, dann eben bei McDonald’s, selbst wenn es dann leider Nestlé in die Kasse spielt. Immerhin dürfen die ihren Patty auch wirklich fleischlos nennen, der nicht kontaminiert wird.

    Antworten
    • Leider ist die Klimaerwärmung noch nicht soweit fortgeschritten, dass auch bei uns im Berggebiet Mandelbäume wachsen für die Mandelmilch und was es der veganen Köstlichkeiten noch mehr gibt. Unsere vielbescholtenen Kühe tragen aber nebst der Produktion hochwertiger Lebensmittel auch dazu bei, dass die Alpen nicht verganden und verbuschen, so dass sich Sommer- und Wintersportler in unserer herrlichen Bergwelt erholen können.

      Antworten
      • Im Mittelalter hatte es in Deutschland (Pfalz) riesige Mandelbaumplantagen ohne Klimaerwärmung, und die Mandelmilch war in der Ernährung weit verbreitet, die Menschen tranken keine Kuhmilch!
        Keine Veganer*in verbietet Kühe auf der Weide, im Gegenteil, wir finden es sehr schön! Nur müssen wir sie deswegen töten? Sie dürfen doch genauso alt werden, und Kinder kriegen, wie wir!
        Erst reflektieren, dann schreiben!

        Antworten
  • Ich bin für alles was die vegane Lebensweise weiterbringt. Je mehr Berührungspunkte “normal” lebende Menschen mit dem Thema haben, desto besser. Ansonsten bleibt es immer wie bisher: oh, der Veganer muss wieder in sein extra Restaurant gehen…..
    Und sonst bitte das Hiltl in Zukunft weglassen und den Sprössling auch gleich. Auch dort gibt es Tierprodukte ✌🏼

    Antworten
  • Ach herrjeh,

    Das ist eine tolle Entwicklung! Ich werde den Rebell sicher probieren gehen.

    Auch wenn ich sonst auf SlowFood & Qualität stehe.

    Und das mit dem Rost – für mich (IMHO) ist das wie mit einer Pizza Napoli, ich konnte sie früher nicht essen wenn da Sardellen drauf waren – auch wenn sie weggenommen wurden… Die ganze Pizza war dan für mich kontaminiert 🤷🏻‍♂️
    Also verstehe ich beide Seiten.

    #Vgang

    Antworten
  • Ich werde mir diesen Burger nicht antun. Ich hab den von Mac Donalds probiert und fand ihn viel zu trocken. Und der Gedanke, das der Patty mit tierischem Fett kontaminiert ist, ekelt mich an. Selbst als Veggie hat mich das angeekelt.

    Antworten
  • Mir gefällt der Artikel. Anfügen möchte ich noch: eine Veränderung geschieht immer mit dem 1. Schritt. Und wenn bereits der 1. Schritt in die ”richtige” Richtung geht, ist es für alle hilfreich, wenn er von allen auch gewürdigt wird.

    Antworten

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