Diese Läden verkaufen garantiert kein Echtpelz

In den kalten Monaten sind sie überall zu sehen: Jacken mit Fellkapuzen, Mäntel mit Fellbesatz oder Accessoires an Handtaschen aus Fell. Für Veganer*innen kann der Kauf einer neuen Winterjacke zu einer wahren Detektivarbeit werden. Gastbloggerin Cornelia gibt Tipps, wie man ganz einfach an Mode kommt, die ohne Echtpelz auskommt.

Viele verbinden mit Pelz nach wie vor den Nerzmantel der Grossmutter. Doch er versteckt sich auch als Pelzbesatz an der Winterjacke oder als Innenfutter der Winterschuhe.  Preislich sind die Echtpelze mittlerweile nicht mehr deutlich von Imitaten, sogenanntem Fake Fur zu unterscheiden. Es kommt sogar vor, dass der Echtpelz günstiger ist als Fake Fur.  Trotz des schlechten Rufes und vieler Skandale rund um die Pelzproduktion scheint die Nachfrage nach entsprechenden Produkten ungebrochen: Im Jahr 2017 wurden 431 Tonnen Pelz in die Schweiz importiert – und das sind nur die Zahlen für ganze Pelzmäntel. In dieser Menge sind Pelzbesätze und Accessoires nicht eingerechnet. In Tierleben ausgedrückt: Pro Jahr entspricht das etwa 100 Millionen Pelztieren, die dafür ihr Leben gelassen haben. 

Pelz ist kein Nebenprodukt

Nach wie vor herrscht der Irrglaube, dass die Felle von Kaninchen und Kühen aus Schlachtbetrieben stammen und als «Abfallprodukt» der Fleischproduktion weiter verwertet werden. Doch diese Annahme ist leider schon länger falsch. Die Kaninchen, deren Fell für die Pelzproduktion genutzt wird, werden heutzutage eigens für diesen Zweck gezüchtet. Pelzkaninchen werden älter als Mastkaninchen und somit gilt ihr Fleisch als zäh und wird entsorgt. 

Auch Fuchsfell ist im Jagdland Schweiz ein grosses Thema. Und auch hier kommt die Argumentation ins wanken, dass die Jagd auf Rotfüchse für die Erhaltung der Population nötig sei. Für eine nachhaltige Reduktion der Fuchspopulation müssten gezielt die fruchtbaren Weibchen dezimiert werden. Da allerdings wahllos Füchse während der Jagdsaison geschossen werden, erholen sich die Bestände im darauffolgenden Jahr wieder im gleichen Masse, was wieder dazu führt, dass abertausende Füchse sinnlos getötet werden – erneut unter dem Argument der «Überpopulation». 

Noch immer erschreckende Zahlen

Sowieso ausser Frage steht der Kauf von Pelzen anderer Tierarten – hauptsächlich Nerze und Marderhunde, aber auch Biber und Chinchillas. 85% dieser Pelze stammen nämlich aus Käfighaltung, die restlichen 15% stammen aus Fallenjagd, ein kaum weniger qualvolles Verfahren als die Käfighaltung. Dabei werden die Tiere in winzigen Käfigen aufgezogen und dann – um das Fell nicht zu beschädigen – erschlagen, vergiftet, vergast, erwürgt oder per Stromschlag getötet. Es gab schon Berichte, wonach in China Pelztiere nur niedergeknüppelt und noch bei Bewusstsein gehäutet werden. 

Das Label mit dem Fuchs

In der Schweiz gilt eine obligatorische Deklarationspflicht von Echtpelz, die aber nicht immer eingehalten wird. Wer sichergehen will, der kauft seine Kleidungsstücke und Accessoires in einem Geschäft, das vom Schweizer Tierschutz mit dem «Fur Free Retailer»-Siegel ausgezeichnet wurde. Diese Unternehmen garantieren, dass sie keinen echten Pelz verkaufen – also gar keine Produkte mit echtem Pelz in ihrem Sortiment führen. Die «Fur Free Alliance» hat das Label mit dem Fuchs entwickelt, das Kleiderläden, Modemarken und Boutiquen verwenden dürfen, wenn sie auf Echtpelz verzichten. Wo ein schlafendes Füchslein mit dem Schriftzug «Hier wird kein Tierpelz verkauft» am Eingang prangt, können Konsument*innen also sicher sein, mit ihrem Kauf nicht die Tierquälerei in der Pelzindustrie zu unterstützen.

Was ist mit Fake-Fur? 

Für einen 100 cm langen Kunstpelzmantel werden rund 6 Liter Erdöl benötigt. Doch nicht nur ökologisch sind Fake-Pelz und Kunstfellbesätze an Jacken fragwürdig – auch ideologisch sind sie umstritten. Denn wie oben erwähnt, können die Fake-Pelze von Laien und vor allem von weitem fast nicht von echten Pelzen unterschieden werden. Und so lautet das Argument der Gegner*innen von Fake Fur, dass man mit dem Tragen von Kunstpelz zum Bild beitrage, dass das Pelztragen im Jahr 2020 immer noch okay ist. Was hältst du von Fake Fur? Lass es uns in den Kommentaren wissen oder diskutiere auf Instagram mit!

 

Abschliessend findest du hier eine Auswahl von Geschäften und Modemarken, die auf Echtpelz verzichten und vom Schweizer Tierschutz mit dem Fuchslabel ausgezeichnet wurden:

Die vollständige Liste findest du unter www.furfreeretailer.com

 

Conny sammelt leidenschaftlich neuste Erkenntnisse zum veganen Lifestyle und hat es nebenbei zu ihrem Hobby gemacht, ihr Umfeld mit veganen Backwaren zu überschwemmen. Als Wissenschaftsredaktorin und Autorin gehört Schreiben zu ihrem Alltag. Für vegan.ch verfasst Conny regelmässig Blogbeiträge zu unterschiedlichsten Themen der veganen Lebensweise.

 

Kommentare

2 Kommentare

  • Ich persönlich habe kein Problem mit Kunstpelz. Mir gefällt er optisch. Ich finde auch, dass man sehr gut sehen kann, ob er echt ist oder nicht. Und wegen dem Animieren sehe ich es ähnlich, wie mit Fleischersatzprodukten: Wenn man es herstellen kann, warum nicht? Aber ich möchte es nicht übertreiben. Der Erdölverbrauch gibt mir jedoch schon zu denken. Das wusste ich bisher noch nicht.

    Antworten
  • Ich kaufe seit Jahren keine Winterjacke mit Kunstpelz dran. Nichtmal wenn man es abmachen könnte- einfach aus Prinzip. Und ich verstehe auch nicht wozu dieser Fellkragen gut sein soll. Ist das chic oder soll das etwa wärmen?
    Und der Verkauf von Echtpelz sollte meiner Meinung nach verboten sein.

    Antworten

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