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Es war einer dieser scheinbar unscheinbaren Momente. Ein Schlüsselerlebnis mitten im Nebenbei des Alltags. Alma Pfeifer, vegan lebende Mutter und Gastbloggerin bei vegan.ch, erzählt, wie sie realisiert hat, was ein Name ausmachen kann.

Meine dreijährige Tochter und ich gingen spazieren. Die übliche Runde entlang der Felder in der Nähe unserer Siedlung. Die Sonne schwächelte bereits, der Nachmittag schritt dem Abend entgegen. Da und dort lagen ein paar Pfützen, die der Regen zurückgelassen hatte. Ein Wurm kroch entlang des Weges. Meine Tochter sah zu, wie er mühsam vorwärts schlingerte. Sie schien fasziniert und angeekelt zugleich, und wie so oft, wenn Kinder kleine Tiere entdecken, fing sie an, den Wurm genauer zu inspizieren. Die Neugier verdrängt dann meist das Mitgefühl. Es wird berührt, gestochert, zugepackt oder sogar zerdrückt. Auch meine Tochter war kurz davor, von der Beobachterin zur Täterin zu werden. Aus einem Impuls heraus stellte ich ihr den Wurm mit Namen vor. Ich fühlte mich als Vermittlerin zwischen diesem sprachlosen Wesen und dem kleinen Mädchen, das in ihm nichts Liebenswertes sieht. «Er heisst Theo und sagt dir Hallo», flüsterte ich ihr zu. Und ergänzte, dass auch er spazieren geht. Ich schlug ihr vor, ihn zu streicheln. Da wechselte sie vom Pinzettengriff, mit dem sie den Wurm zu umfassen gedachte, zum ausgestreckten Finger und streichelte Theo. Zum Schluss wünschte sie ihm einen schönen Spaziergang und wir gingen weiter unseres Weges. 

Später entdeckten wir eine Weinbergschnecke. «Das ist Emma», sagte ich und erklärte meiner Tochter, dass Emma gerade Zutaten für ihr Abendessen sammle. Meine Tochter beugte sich über die Schnecke, lächelte sie an und ging weiter.

Ich realisierte etwas, was Tierrechtsorganisationen und andere Non-Profit-Organisationen wie vegan.ch schon in Kampagnen aufgenommen haben. Personalisiert man Tiere, wird es schwieriger, sie als reine Nutzungsobjekte zu sehen.  Wenn wir sie wie Persönlichkeiten betrachten mit Namen, Charakter, Gefühlen, Eigenschaften und Besonderheiten, entsteht eher eine Verbindung. Es fällt schwer, jemandem Leid zuzufügen, den man ‚kennt‘, der vielleicht sogar Dinge mit uns gemein hat. Ein Wurm, der spazieren geht, eine Schnecke, die ihr Abendessen vorbereitet. Ein balancierendes Huhn, eine Kuh, die bei einer anderen Kuh Zuneigung sucht, ein Schwein, das sich spielerisch mit einem Geschwister balgt: Auf einmal ist da nicht einfach dieses Nutztier oder ein seltsames Lebewesen, das weder weich noch putzig ist. Da ist etwas wie du und ich. 

Würde Frau Müller weiterhin gedankenlos Rindfleisch einkaufen, wenn da neben dem toten Stück Fleisch «Yolanda, 6 Jahre alt, Mutter zweier Kälber» stehen würde? Würde Herr Meier ohne Zögern zur Bratwurstpackung greifen, wenn ein Foto des jungen Schweins darauf abgebildet wäre, das für diese Bratwürste gestorben ist? Wie viele würden sich zumindest etwas schwerer tun, Fleisch und andere Tierprodukte zu konsumieren, wenn sie das Tier nicht nur als abstraktes Nutztier, sondern ein mit Namen und besonderen Eigenschaften ausgestattetes Wesen betrachteten?

Ich bin grundsätzlich dafür, die Dinge beim Namen zu nennen. Einen Hund zu bemuttern, ihn Leika zu rufen, Fotos von ihm aufzuhängen und gleichzeitig Hackbraten für die Familie zuzubereiten finde ich pervers. «Kognitive Dissonanz» nennt sich das im Fachjargon (wenn kognitive Elemente zueinander im Widerspruch stehen, so dass das eine in gewisser Hinsicht das Gegenteil des anderen ausdrücken kann). Das, was vor dem Hackbraten war, hatte eine Mutter. Es hat gespielt, gekuschelt, gerufen und geatmet. Genau wie der Hund. Doch nie würden wir auf die Idee kommen, Leika zu einem Hot Dog zu verarbeiten.

Zugegeben, bei manchen Tieren fällt die Vorstellung schwer, sie würden spielen oder kuscheln. Doch auch sie haben ein Recht auf Leben. Warum also nicht auch ihnen, den Würmern, Schnecken und Spinnen, Namen geben? Nicht, um sie zu vermenschlichen, sondern um eine Verbindung herzustellen. Verbindung schafft Nähe. Nähe schafft Mitgefühl. Und das ist es, was Theo, Emma, Yolanda und wie sie sonst noch alle heissen (könnten) von uns brauchen. 

Kommentare

5 Antworten

  1. Einfach nur wunderbar 🥰 danke Alma 🕷️🐌🦗🐛 „meine“ Spinne heisst Huldi, frisst begeistert die Trauermücken und entwickelt sich gut, sie wächst. Wird jeden Morgen mit Name begrüsst 😄🕷️

  2. Grossartig!! Das ist mir auch schon aufgefallen .. Ähnliches Verhalten sieht man ja auch beim Bären/ Wolf. Der bekommt immer nur eine Nummer und keinen Namen, um ihn einfacher zum Abschuss freizugeben und auch in der Bevölkerung/ in den Medien keine Bindung aufkommen zu lassen. Stellt euch vor „Bruno Bär“ wird zum Abschuss freigegeben oder stattdessen zB „M23“

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