Er war der erste vegane Promi

Percy Bysshe Shelley (der Mann von Mary Shelley, Autorin von Frankenstein) gilt als einer der einflussreichsten Dichter der englischen Sprache. Er plädierte bereits im frühen 19. Jahrhundert für eine vegane Ernährungsweise – für ihn war der Verzehr von Tieren eine Ungerechtigkeit und Barbarei. Gastbloggerin Alma über seine Bestrebungen für Tierrechte und wie viel Percy in Frankenstein steckt.

Hätte es im England des frühen 19. Jahrhunderts Promi-Klatschhefte gegeben, wäre Percy Bysshe Shelley mit Sicherheit auf ihren Titelseiten gelandet. Der gutaussehende, intelligente Sohn aus reichem Hause wurde 1792 in Sussex geboren. Doch statt nach Ruhm und Ehre zu trachten, verschreibt er sich der romantischen Lyrik, betört Frauen mit seinen Gedichten und rebelliert gegen die Zwänge der Gesellschaft. Mit seinen Schriften bringt er regelmässig die Öffentlichkeit gegen sich auf, die er schonungslos offen kritisiert. Für ihn ist klar, warum die Menschen zu Gewalt gegenüber einander neigen. Wer Gewalt an Tieren ausübt, sei nicht weit davon entfernt, Gewalt an seinen Mitmenschen auszuüben.

Moderner Rebell

Shelleys Kritik richtete sich gegen jegliche Heuchelei. Während seines Studiums in Oxford verfasst er zusammen mit Studienkollegen seine erste Schmähschrift mit dem Titel «Die Notwendigkeit des Atheismus», worin sie verlangen, dass der Standpunkt des Atheismus als einer unter mehreren zu Wort kommen dürfe. Doch weil im damaligen England Atheismus als Delikt gilt, sieht sich Shelley gezwungen, mit seiner ersten Frau Harriet und einigen Freunden im Exil zu leben. Auf seinen Reisen durch Europa beschäftigt er sich mit Texten der alten Griechen, in denen vermutet wurde, dass sich Pythagoras rein pflanzlich ernährt hatte. (Lange bevor die Bezeichnungen «vegetarisch» oder «vegan» verwendet wurden, bezeichneten sich frühe vegetarisch oder vegan lebende Menschen selbst als Pythagoreer.)

Inspiriert von John Frank Newton, Autor von ‘Die Rückkehr zur Naturund Patient von Dr. William Lambe, Autor von «Wasser und pflanzliche Ernährung», schreibt Percy Bysshe Shelley 1813 sein berühmtes Essay «Eine Bestätigung für die natürliche Ernährung» («A Vindication Of Natural Diet»). Shelley empfiehlt darin eine natürlich vegane Ernährungsweise, für einen gesunden Geist und Körper. Der menschliche Körper sei für eine rein pflanzliche Ernährung gemacht, argumentiert er in seinem Essay.

Die Vergewaltigung der Menschlichkeit

Shelley gehört zu den Ersten, die der Meinung sind, dass die Art, wie Menschen Tiere behandeln, gleichwertig sei mit der Art, wie sie andere Mitmenschen behandeln. Er schreibt dass das Schlachten von Tieren für Nahrungsmittel nicht nur die Wurzel der Kriminalität unter den Menschen sei, sondern auch die Ursache für alle anderen unmoralischen und kriminellen Handlungen der Menschen. Shelley ist davon überzeugt, dass jene, die durch ihre Arbeit dazu genötigt sind, die Kostbarkeiten des Lebens zu vergeuden und die Qualen von anderen Lebewesen zu ignorieren, ungeeignet sind für den Wohlwollen und die Gerechtigkeit, die für das Funktionieren einer zivilisierten Gesellschaft erforderlich sind.

«Wie kann man von Menschen, die Gemetzel und Qualen verursachen, erwarten, dass sie ihre Empfindsamkeit gegenüber der Natur bewahren. Der Anblick von Tieren, die allein für das Schlachthaus bestimmt sind, muss, wenn er nicht Mitgefühl weckt, die innere Sturheit und Ignoranz gegenüber ihrem Leid bestärken». Wenn also der Konsum von Tierprodukten, so folgert Shelley, hinderlich für eine friedvolle menschliche Gesellschaft ist, wie unverantwortlich ist dann die Ungerechtigkeit und Barbarei gegenüber diesen armseligen Opfern?

Die frühe Forderung nach Tierrechten

Durch menschliches Handeln seien Tiere gezwungen, ein kurzes, elendes Leben der Sklaverei und Krankheit zu führen, in dem ihr Körper misshandelt und ihre sozialen Gefühle verletzt werden. Es wäre besser, schreibt Shelley, ein fühlendes Wesen hätte nie gelebt, als dass es allein dazu existieren muss, Elend zu ertragen. Die weit verbreitete Meinung, dass Tiere gefühllose und gedankenlose Maschinen seien, sei ein Trugschluss und bedürfe keiner weiteren Diskussion.

«Wir sollten uns am Leben erfreuen und andere nicht länger ausschliessen, sich ebenso daran zu erfreuen.»

Shelley  bezieht sich in seinem Essay unter anderen auf den griechischen Schriftsteller Plutarch, der im Jahre 45 geboren wurde und der später in seinen Schriften den Konsum und die Ausbeutung von Tieren kritisierte.

Seiner Zeit voraus

Shelleys kritische Gedanken drehen sich sein Leben lang um jene Fragen, die heutzutage vermehrt diskutiert werden: Der Zusammenhang zwischen der Ernährung und bestimmten häufigen Krankheiten, den ökologischen Auswirkungen und der Frage, ob Tiere Rechte brauchen. Wie Abu Al Ma’ari war Shelley seiner Zeit voraus. Wegen seiner Schriften von der Polizei überwacht und von der Gesellschaft geächtet, verbringt er die meiste Zeit seines Lebens im Ausland. Er lebt mit geringen finanziellen Mitteln in kommunenartigen Gemeinschaften mit Gleichgesinnten zusammen. Die Idee solcher Gemeinschaften, die zusammen leben, arbeiten, rebellieren und ihre Kinder grossziehen, lässt ihn sein Leben lang nicht los. Es würde noch einige Jahre dauern, bis diese Art des Zusammenlebens mit der 1968er-Bewegung neuen Aufwind bekommen sollte.

Das Vorbild von Dr. Frankenstein

Shelley, der auch der Institution Ehe kritisch gegenüber steht, verlässt seine erste Frau Harriet nach drei Jahren für die damals 16-jährige Mary Wollstonecraft. Nur drei Jahre später schreibt die Tochter eines Philosophen und einer Frauenrechtlerin «Dr. Frankensteins Monster», einen der ersten Science-Fiction Romane überhaupt. DIe Inspiration dazu kam ihr am Genfersee. Bei der Figur des gutmütigen Monsters lässt sie sich von Shelley inspirieren, der selbst sein Leben lang wie ein Monster behandelt wird und der sich aus der Gesellschaft seiner Mitmenschen ausschliesst, weil er darin nicht «Mensch sein» kann. Und wie Shelley ernährt sich auch Frankensteins Monster rein pflanzlich («My food is not that of man. I do not destroy the lamb and the kid, to glut my appetite; acorns and berries afford me sufficient nourishment»). Ab 1818 leben sie gemeinsam in Italien, kurz vor seinem dreissigsten Geburtstag ertrinkt er 1822 im Golf von Livorno, als er auf einer Bootsfahrt mit zwei Freunden in einen Sturm gerät. Erst viele Jahre nach seinem Tod erlangen Shelleys Gedichte und Schriften Beachtung.

Dieser Text ist der zweite einer dreiteiligen Serie über vegane Pioniere. Bereits auf dem Blog erschienen ist ein Porträt über Abu Al Ma’ari (973-1057). Mit freundlicher Genehmigung des Magazins «Vegan für mich».

 

Unser Engagement im 21. Jahrhundert

Wie Percy Bysshe Shelley ist es das Grundanliegen der Veganen Gesellschaft Schweiz, dass Tiere nicht geboren werden, einzig um auf unserem Teller zu landen.  Wer vegan lebt, muss sich aber längst nicht mehr verstecken. Wir setzen uns seit acht Jahren dafür ein, dass ein veganer Lifestyle in der Schweiz als cool, gesund und sowohl ökologisch als auch ethisch als bestmögliche Lebensweise wahrgenommen wird.

Regelmässig organisieren wir Events, wo sich Interessierte austauschen und über den veganen Lifestyle informieren können. Wenn du ein Teil der Bewegung sein, kannst du einfach bei einem der zahlreichen Veranstaltungen vorbeischauen oder gleich bei uns Mitglied werden.

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