Ist das die Proteinquelle der Zukunft?

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Wasserlinsen haben nichts zu tun mit den bekannten Hülsenfrüchten. Sie könnten diesen dereinst aber Konkurrenz machen. Der Anbau benötigt nur einen Bruchteil der Fläche, welche für Hülsenfrüchte aufgewendet wird. Grund genug, Wasserlinsen genauer anzuschauen.

 

Weltweit wird an Alternativen zu tierischem Protein geforscht. Wir haben bereits über Protein aus Mikroalgen, aus dem Labor, und aus pflanzlichen Quellen berichtet. Die Nachteile von Proteinen aus Tierprodukten liegen mittlerweile auf der Hand. Dennoch dienen sie den meisten Menschen nach wie vor als primäre Proteinquelle.

Das könnte sich bald ändern: Wenn sich einzelne alternative Proteinquellen durchsetzen und den Markt erobern, weil sie geschmacklich überzeugen und kostengünstiger in der Produktion sind, kann es gut sein, dass Tierprodukte aus Massentierhaltung so schnell verschwinden, wie sie in den 60er Jahren gekommen sind. Eine dieser Alternativen könnte aus dem Untergeschoss der ETH Zürich kommen. Dort wächst gerade Wolffia, eine der fünf Gattungen von Wasserlinsen.


Was sind Wasserlinsen?

Wasserlinsen (wiss. Lemnaceae) wachsen natürlicherweise in Teichen auf der ganzen Welt. Man könnte sie als Unkraut wahrnehmen, denn die kleinen, leuchtend grünen Blättchen bedecken schnell einmal einen ganzen Teich. Werden die Wasserlinsen der Gattung Wolffia vom Teich abgeschöpft und entzieht man ihnen das Wasser (welches 90-95% der Wasserlinsen ausmacht), besteht sie noch zu rund 45% aus Protein. Schnelles Wachstum und hoher Proteingehalt – ideale Voraussetzungen für ein Lebensmittelprodukt, fand der junge Umweltwissenschaftler Cyrill Hess.

 

Cyrill Hess (29) und sein Team sind momentan die einzigen, die in der Schweiz an Wolffia für den menschlichen Verzehr forschen.

 

«Im frischen Verzehr schmeckt Wolffia ähnlich wie Salat oder milde Sprossen», meint Hess auf die Frage nach dem Geschmack. Er entdeckte die Vorzüge der Pflanze während seiner Masterarbeit. Wolffia enthält Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und Eisen, was sie zusätzlich zu einem interessanten  Produkt macht. Gekocht ist sie geschmacklich vergleichbar mit Spinat. So entstand auch schon eine Lasagne: «Die kam sehr gut», lacht er. Unterdessen forscht Hess im Start-Up LemnaPro zum Anbau und der Verarbeitung von Wolffia. «Wir haben eine Versuchsanlage aufgebaut, wo in künstlichen Teichen unter kontrollierten Bedingungen Wasserlinsen wachsen. Die Teiche sind nur einige Zentimeter tief, darauf schwimmt Wolffia.» 

 

Proteinriegel aus Wolffia

Aufgrund des schnellen Wachstums erzielt man die höchsten Erträge, wenn die Wasserlinse täglich geerntet wird. Wasserlinsen gehören zu den Blütenpflanzen mit dem schnellsten Biowachstum überhaupt, nur noch übertrumpft von einigen Algensorten. Auf derselben Fläche lässt sich mit Wolffia zehnmal mehr Protein produzieren als mit Soja. Unter optimalen Bedingungen kann ein Zuchtbetrieb 10 bis 30 Tonnen getrocknete Wasserlinsen pro Hektar und Jahr produzieren. Das wurde 1995 in einer Studie herausgefunden, die Wasserlinsen als Tierfutter erforschte. Auch in der Schweiz laufen vom Bundesamt für Landwirtschaft finanzierte Studien, welche die Wasserlinse als Ersatz für Futtermittel analysiert. 

Das Zürcher Start-Up LemnaPro untersucht die Wasserlinsen hingegen für den menschlichen Verzehr. Eine Zulassung als Lebensmittel gibt es in der EU noch nicht, für Hess sind innerhalb der nächsten 5 Jahren aber Fleischalternativen, Proteinpulver, Riegel, Drinks oder Backwaren mit Wolffia denkbar. Bei LemnaPro wird vorerst die Isolation vom Protein der Wasserlinsen Priorität haben. «Der Einfluss bezüglich Nachhaltigkeit ist mit einem geschmacklich neutralen Proteinisolat für die Lebensmittelindustrie am grössten.» Damit wird Wolffia vielseitig und kann andere Proteinquellen ersetzen. 

Gesunde Süssigkeiten aus Wolffia: LemnaPro experimentiert mit vielerlei Anwendungen.

 

Politik ist gefragt

Wenn die Effizienz so hoch ist, wieso wird dann nicht in grösserem Stil in die Erforschung und Verarbeitung von Wasserlinsen investiert? Das Problem liegt in den fehlenden Anreizen. Sojaprotein kann in der Schweiz enorm günstig (2 Fr/kg) bezogen werden, da es als Futtermittel für Tiere weltweit intensiv angebaut wird. Davon konsumiert der Mensch nur 6-7% direkt. Dieser preisgünstige Anbau für Futtermittel geht vor allem auf Kosten des Regenwaldes und der schlecht bezahlten Angestellten in Südamerika. Im Moment funktioniert das noch. Doch Cyrill Hess ist überzeugt, dass sich dieses Wirtschaften früher oder später auf die Preise auswirken wird.

Zum Vergleich: Wird Wolffia hierzulande einmal industriell produziert – mit nachhaltigem Dünger, Schweizer Löhnen, ohne Subventionen und ohne neue Flächen dafür zu opfern – wird der Preis zwischen 5 und 10 Fr/kg liegen. Damit hätte es den selben Preis wie ein hochwertiges Erbsenprotein. Oder eines Tages nachhaltig angebautes Sojaprotein: «Spätestens wenn sich die Politik dahingehend ändert, werden Wasserlinsen konkurrenzfähig.»

 

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