Die drei grossen Mythen von Zoos 

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Warum lehnen Veganer*innen Zoos ab? Unumstritten: Die meisten Tierpfleger*innen geben tagtäglich ihr bestes und behandeln die Tiere sehr gut. Diese führen ein entspanntes Leben frei von Raubtieren und Krankheiten – oder nicht? Wir haben uns die drei bekanntesten Mythen über Zoos genauer angeschaut.

 

1. Zoos kümmern sich um den Artenschutz

Der primäre Zweck von Zoos besteht darin, dass Menschen sich lebende Tiere verschiedener Arten anschauen können. Dabei erfüllen Zoos vier Funktionen: Artenschutz, Forschung, Bildung und Erholung. Zoos werben denn auch gross damit, dass ihre Zuchtprogramme einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten. Ihre Aufgabe besteht erstens darin, bedrohte Tierarten zu vermehren und wieder auszuwildern, und wo das momentan nicht möglich ist, z.B. wegen Zerstörung des Lebensraums, sollen Zoos zweitens wenigstens als eine Art «Arche Noah» fungieren.

Bei weltweit 17 von 68 Spezies, deren Gefährdungsstatus kürzlich herabgestuft werden konnte (beispielsweise von «vom Aussterben bedroht» auf «stark bedroht»), hat tatsächlich das Züchten in Zoos eine Rolle gespielt. Teilweise helfen also Zoos gewissen Tierarten, die von uns Menschen in ihrer natürlichen Umgebung gejagt oder ihrem natürlichen Lebensraum beraubt werden. Das berühmteste Beispiel ist das Przewalski-Pferd, das in der Natur als ausgestorben galt. Seit der Auswilderung leben die Pferde wieder zu Tausenden in der Mongolei.  

 

Die Przewalski-Pferde werden oft als Positivbeispiele für Zoos genannt: Das letzte freilebende Exemplar wurde 1969 gesichtet, nur im Prager Zoo und in München kamen noch Fohlen zur Welt.

 

Wäre der Artenschutz aber das primäre Ziel der Zoos, würden sie überwiegend gefährdete Spezies halten. Faktisch sind allerdings nur 20-25 Prozent aller Säugetierarten in Zoos bedroht. Vom Aussterben bedrohte Vogelarten machen sogar nur 9 Prozent aus und von den gefährdeten Amphibienarten werden lediglich noch drei Prozent in der Obhut der Menschen gehalten.¹ Im Umkehrschluss bedeutet das: Rund drei Viertel aller Tiere im Zoo sind gar nicht gefährdet, sondern werden in Gehegen und Aquarien gehalten, weil sie Besucher*innen anlocken.

Die Mehrheit der gefährdeten Tierarten im Zoo könnten auch gar nicht ausgewildert werden. Das liegt nicht nur daran, dass sie nach dem Leben in Gefangenschaft eventuell in der Natur nicht mehr zurechtkämen – nebst dem abhanden gekommenen Wissen zur Jagd, Verteidigung und anderem artgerechten Verhalten, gewöhnen sich die Tiere teils an Publikum und verlieren die natürliche Scheu vor dem Menschen –, sondern auch am fehlenden Lebensraum. Denn meist ist dieser der Grund, weshalb sich der Tierbestand überhaupt erst verkleinert hat. Darum wäre das investierte Geld viel besser in Naturschutzprojekten vor Ort als in Zoos angelegt: Nur wenn die natürlichen Habitate erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden können, haben die Tiere die Chance auf eine Zukunft. Zudem muss auch die lokale Bevölkerung miteinbezogen werden, nicht zuletzt, um die ausgesetzten Tiere vor Jagd und Wilderei zu beschützen. All das braucht enorme Ressourcen, weshalb die Auswilderung für Zoos nur selten im Vordergrund steht.  

Eine weitere Problematik besteht in Zoobetrieben, die unkontrolliert und meist illegal Tiere aus der Wildnis holen, beispielsweise für Delfinarien. Dies ist insbesondere in Ländern mit weniger oder weniger strikten Tierschutzgesetzen der Fall.

In der Datenbank Species 360 werden alle Tierarten erfasst, die momentan in der Obhut von Zoos leben. Darin ist zu sehen, dass von den heute wissenschaftlich beschriebenen ca. 1,8 Millionen Arten etwas mehr als 13’000 Arten in Zoos leben. Die Einrichtungen können dort zum Beispiel für ihre Züchtungen genetisch entfernte Tiere finden. Von den weltweit 15’000 Einrichtungen, die sich als Zoo bezeichnen, sind aber nur 1200 Mitglieder bei Species 360. Es sind also vergleichsweise wenige Zoos, die sich tatsächlich mitunter für den Artenschutz einsetzen.

 

2. Die Tiere haben ein angenehmes Leben

Auf den ersten Blick wirkt es tatsächlich so, als ob Tiere im Zoo ein komfortables Leben führen könnten: Sie erhalten regelmässig ausgewogene Mahlzeiten und müssen nicht hungrig auf die Jagd. Sind sie einmal krank, werden sie optimal versorgt. Sie können den ganzen Tag bis an ihr Lebensende in ihrem Gehege faulenzen. Was für ein Leben!

Damit die Tiere etwas zu tun haben, animieren Zoos die Tiere, indem sie beispielsweise das Futter an verschiedenen Orten verstecken. Doch egal wie gut das Gehege des natürlichen Lebensraums nachempfunden wurde: Die Tier-Mensch-Begegnung bleibt höchst unnatürlich.

Viele Tierarten haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und komplexe Sozialstrukturen, an dessen Ausübung sie auch das grösste Gelände hindert. Gerade Elefanten legen in der Wildnis teils mehrere Dutzend Kilometer pro Tag zurück, die durchschnittliche Reviergrösse eines afrikanischen Elefanten beträgt teilweise mehrere Tausend Quadratkilometer.² Im Zoo Zürich (11 km2) bzw. Basel (5 km2) könnten sie diese Strecke nur zurücklegen, wenn sie sich im Kreis bewegten.

 

Ohne Frage gibt der Zoo Zürich sein Bestes für die Tiere. Trotzdem ist ungewiss, ob die Elefanten im Kaeng Krachan Elefantenpark nicht doch lieber in Freiheit lebten.  

 

Der Schein eines zufriedenen Tieres kann trügen, schlussendlich können wir nicht in das Tier hineinsehen und wissen, ob es tatsächlich glücklich ist, oder ob es nicht doch lieber mit den Artgenossen in der natürlichen Umgebung in Freiheit leben würde.

Fragwürdig ist deshalb auch, wie aussagekräftig die Forschung an Wildtieren ist, die oft in Zusammenarbeit mit Zoos stattfindet. Würden sich die Tiere in der Wildnis gleich verhalten? Zudem besteht die Forschung oft einfach darin, herauszufinden, wie man Tiere im Zoo hält.³

Eine eigene moralische Fragestellung bildet auch das Töten von Zootieren. Um tierschutzkonform zu bleiben, müssen Zoos die Tierpopulationen regulieren – entweder durch Geburtenkontrolle, Abgabe der Jungtiere an andere Einrichtungen oder Töten. Zwar sind Babytiere für Besucher*innen attraktiv, aber aus verschiedenen Gründen können Tiere manchmal nicht an andere Zoos weitergegeben werden, z.B. weil die Gene nicht passen. Andere Lösungen müssen her: Ein Beispiel hierfür war Giraffe Marius in Dänemark, der den Löwen verfüttert wurde. Deshalb lässt sich auch nicht sagen, dass Zootiere zwingend ein längeres Leben als in freier Wildbahn führen können.

 

3. Die Besucher*innen lernen Tiere und den respektvollen Umgang mit ihnen kennen

Ein Argument zugunsten Zoos ist der pädagogische Anspruch: Zoos lehren uns viel über die Natur und die Lebensweise von Tieren. Mittlerweile bieten die Schweizer Zoos gute mediale Aufbereitung, Führungen, Vorträge und weiteres an. Das soll dazu beitragen, dass Menschen respektvoller mit Tieren umgehen und sie vermehrt schützen wollen. Doch die Ehrfurcht, die einen überkommt, wenn man in den Bergen einem Steinbock gegenübersteht, stellt sich im Zoo nicht ein. Im Zoo lernen bereits Kinder, dass wir Menschen die Kontrolle über Tiere haben. Selbst Giraffen, Elefanten und andere grosse Tiere wirken harmlos und ungefährlich. Die Natur liegt uns hier zu füssen, wir haben sie gezähmt und uns zu Nutze gemacht: Ein problematisches Bild, das langfristige Auswirkungen im Denken und Handeln des Kindes haben wird. 

Zoos sind in Zeiten entstanden, in denen es keinen Zugang zu Tieren in deren natürlichen Lebenswelten gab. Das ist heute anders. Zudem bieten Dokumentarfilme eine realistischere und informationsreiche Alternative, mit denen man mehr über die Tiere lernt als bei einem Zoobesuch – denn die Tiere werden in der tatsächlichen Natur beobachtet  und nicht in der nachgeahmten Welt der Zoos. Schliesslich können Tiere in Gefangenschaft artfremde Verhaltensweisen annehmen, sodass man gar nicht mehr das natürliche Verhalten beobachtet.   

Auch in Studien konnte noch kein zwingender Beweis für die Behauptung gefunden werden, dass Zoos und Aquarien bei Besucher*innen Verhaltensänderungen oder Interesse am Naturschutz fördern würden.

 

Fazit:

Zoos stellen ohne Zweifel eine Nutzung von Tieren dar. Die Zoos rechtfertigen das mit vier Argumenten: Artenschutz, Bildung, Forschung und Erholung.

Während das Argument des Artenschutzes bisher noch nicht zufriedenstellend ausserhalb zoologischer Institute gesichert und somit entkräftet werden kann, sind die letzten drei Argumente nicht mehr valide, da sie auch ausserhalb der Zoos ermöglicht werden können. 

Ohne Frage sind Aufzuchtprogramme wichtig. Doch müssen die Tiere dabei eingesperrt und jeden Tag für den Menschen sichtbar sein? Erhaltungsprojekte wären in der natürlichen Umgebung der Tiere deutlich sinnvoller. So gibt es in verschiedenen Regionen der Welt bereits geschützte und betreute Habitate, die für Touristen nicht zugänglich sind. Statt in den Zoo zu gehen, könnte man solche Projekte finanziell unterstützen.

Selbst wenn ein Tier ein grosses Gehege erhält und die Pflege so artgerecht wie möglich ist: Es ist nicht korrekt, über das Leben und die Freiheit eines Tieres zu entscheiden. Wir teilen diesen Planeten mit einer artenreichen und faszinierenden Tierwelt, und es ist sehr unterstützenswert, wenn wir Menschen mehr darüber lernen wollen. Aber Zoos, in denen ein Tier auf kleinem Raum ausgestellt und von uns beobachtet wird, vermitteln kein gesundes Mensch-Tier-Verhältnis. 

Quellen:

1:  Dalia A. Conde, Nate Flesness, Fernando Colchero, Owen R. Jones, and Alexander Scheuerlein: An Emerging Role of Zoos to Conserve Biodiversity. Science Vol 331, Issue 6023, 18. März 2011.

2:  https://academicjournals.org/journal/IJBC/article-abstract/FAEAAFB62312, 3.5.21

3: Zoos: Besuchen oder nicht besuchen. Markus Wild. Tierethik 9/2 (2014). S. 83. 

4: Do Zoos and Aquariums Promote Attitude Change in Visitors? A Critical Evaluation of the American Zoo and Aquarium Study. Lori Marino, Scott O. Lilienfeld, Randy Malamud, Nathan Nobis, Ron Brogliod. Society and Animals 18 (2010) 126-138 brill.nl/soan

 

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