Wir klären 9 Fragen von Neu-Veganer*innen

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Neu vegan und noch etwas überfordert im Supermarkt? Dann bist du hier richtig, denn wir klären ein paar grosse Fragezeichen auf: Zum Beispiel, was Milchsäure mit Milch zu tun hat und warum Essig nicht immer vegan ist. Auch als Langzeit-Veganer*in wirst du hier garantiert etwas lernen, was du noch nicht wusstest. Los geht’s:

1. Ist Hefe vegan?

«Hefe lebt» – Schau dir nur einen Brotteig an, der innerhalb von einer Stunde auf das Doppelte aufgeht, und du hast den Beweis. Das kann nicht vegan sein. Oder? Doch. Bei Hefe handelt es sich um einen Mikroorganismus, der zu den Pilzen gehört. Hefe verfügt wie auch andere Pilze über kein zentrales Nervensystem und ist kein tierisches Produkt. Sowohl Trocken- als auch Frischhefe sind also vegan. Dies gilt übrigens auch für die besonders unter Veganer:innen beliebte Edelhefeflocken – dabei handelt es sich aber um inaktive Hefe, versuche daraus also kein Brot zu backen!

Wichtig zu ergänzen ist allerdings die folgende kleine Ausnahme: Bei der Herstellung wird die Hefe auf einem Nährboden kultiviert, der in den meisten Fällen auf Melasse (Zucker) basiert. Ab und zu kann es jedoch vorkommen, dass stattdessen Molke für den Nährboden verwendet wird. In der resultierenden Hefe sind keine tierischen Bestandteile mehr – technisch gesehen wurden im Herstellungsprozess aber tierische Produkte eingesetzt. Der Molke-Nährboden ist zum Glück nicht üblich, aber für eine hundertprozentige Sicherheit muss beim Hersteller nachgefragt werden.

2. Sind Feigen vegan?

Auf den ersten Blick ist eine Feige eine Frucht wie jede andere. Die Frage ist aber durchaus berechtigt. Denn: Bei der Bestäubung der Feigenblüten der «Echten Feige» spielen die sogenannten Feigenwespen eine wichtige Rolle, welche in die Blüten eindringen und daraufhin dort sterben. Die toten Wespen werden von den Pflanzenenzymen verdaut und lösen sich komplett auf, sodass die geernteten Feigen keine Rückstände der Insekten enthalten. Da die Bestäubung durch die Wespe aber eine Voraussetzung dafür ist, dass Feigen überhaupt entstehen können, sind die Früchte streng gesehen nicht vegan. Ob man als Veganer:in solche Feigen essen möchte oder nicht, ist eine individuelle Entscheidung.

Es gibt jedoch auch Feigensorten, die selbstbefruchtend und somit nicht auf die Feigenwespe angewiesen sind: Dalmatien oder Dauphine sind Beispiele dafür.

3. Ist Milchsäure vegan?

Hört sich nicht sonderlich vegan an. So manche*r Veganer*in ist beim Lesen der Zutatenliste schon über die Milchsäure gestolpert. Milchsäure wird häufig zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet – oft sieht man sie beispielsweise in der Zutatenliste bei eingelegtem Gemüse. Ist sie denn nun vegan oder nicht?

Die Milchsäure hat glücklicherweise nur im Namen etwas mit Milchprodukten gemeinsam. Milchsäure entsteht bei der sogenannten Milchsäuregärung (Fermentierung): Ein Vorgang, bei welchem Kohlenhydrate von Bakterien zu Säure umgewandelt werden. Milchsäure kann auch in Milchprodukten vorkommen (dann, ist sie nicht vegan), aber als Zusatzstoff in pflanzlichen Lebensmitteln entstammt sie in der Regel einer Zuckerbasis – also komplett vegan.

Aber warum heisst diese Milchsäure denn jetzt Milchsäure? Das liegt lediglich daran, dass sie ursprünglich in saurer Milch entdeckt und isoliert wurde.

4. Ist «Kann Spuren von Milch enthalten» vegan?

Auch wenn die Zutatenliste eines Produktes komplett vegan ist, ist oft der Satz «Kann Spuren von Milch und Ei enthalten» auf der Verpackung aufgeführt. Manchmal handelt es sich dabei sogar um Produkte, die explizit als vegan gekennzeichnet sind. Wie bitte?

Keine Sorge in der Rezeptur dieser Produkte sind keine tierischen Bestandteile enthalten. Vielmehr dient dieser Satz als Hinweis für Menschen mit starken Allergien. Im Produktionsprozess kann es manchmal zu unbeabsichtigten und unvermeidbaren Spuren von anderen Lebensmitteln kommen – zum Beispiel, wenn in der gleichen Produktionsanlage auch Milchprodukte verarbeitet werden. In der Regel sind diese «Spuren» im Produkt nicht enthalten, können aber in seltenen Fällen vorkommen.

Die Spuren von Milch oder Ei schliessen nicht aus, dass das Produkt trotzdem als vegan gilt und du es guten Gewissens konsumieren kannst. Für die Herstellung werden nämlich keine tierischen Produkte verwendet.

5. Ist Kakaobutter vegan?

Ja! Kakaobutter ist das aus Kakaobohnen gewonnene Fett. Sie wird oft in der Herstellung von Schokolade verwendet – übrigens kann man daraus auch in der eigenen Küche tolle Pralinen oder Kuvertüren zaubern.

Kakaobutter hat also genau so wenig mit tierischer Butter zu tun wie Erdnussbutter. Und wenn wir schon dabei sind: Das Gleiche gilt für Kokosmilch, Blutorangen usw.

6. Sind Fruchtsäfte vegan?

Warum sollten Fruchtsäfte, bei denen nur Früchte als Zutaten aufgeführt sind, nicht vegan sein…? Man mag fast nicht glauben, dass mit dem Orangensaft zum Frühstück versehentlich tierische Produkte konsumiert werden könnten. Aber: Im Herstellungsprozess vieler Fruchtsäfte werden tierische Stoffe wie beispielsweise Gelatine als Hilfsstoff zur Klärung verwendet. Die Gelatine bindet die Trübstoffe im Saft und wird anschliessend wieder herausgefiltert. Im Endprodukt kann die Gelatine also nicht mehr nachgewiesen werden und deshalb findet man sie nicht in der Zutatenliste – aber streng genommen ist der Saft nicht vegan, wenn in seiner Herstellung Gelatine (und Co.) zum Einsatz kam.

Mittlerweile sind viele Säfte als «vegan» gekennzeichnet, sodass die Wahl im Supermarkt einfach ist. Bei diesen Säften kommen pflanzliche Stoffe anstelle der Gelatine zum Einsatz, oder es wird eine mechanische Filtrationsmethode verwendet.

7. Ist Essig vegan?

Ähnlich wie bei den Fruchtsäften ist auch Essig manchmal mit «vegan» gekennzeichnet, was auf den ersten Blick verwunderlich ist. Denn sollte nicht jeder Essig vegan sein? Aber mit gutem Grund: Auch Essig wird oft mithilfe von tierischen Stoffen gefiltert und somit macht eine Kennzeichnung von vegan hergestelltem Essig durchaus Sinn.

Dasselbe wie für Fruchtsäfte und Essig gilt übrigens auch für Wein. Genaueres zu allen drei gibt’s hier: Saft und Wein – alles klar?

8. Sind Energy Drinks vegan?

Wer versteht denn schon die Zutatenliste von Energy Drinks? Ob Energy Drinks vegan sind, ist also eine berechtigte Frage. Eine der wichtigen Zutaten ist Taurin, welches in Kombination mit Koffein stimulierend und leistungssteigernd wirken soll. Taurin ist eine organische Säure und wird im Körper vieler Säugetiere produziert (übrigens auch im menschlichen Körper). So kommt Taurin also in Fleisch vor und ist in seiner natürlichen Form nicht vegan. Allerdings wird der Stoff heute meist synthetisch hergestellt (sozusagen ein Vorteil davon, dass Energy Drinks «künstliche» Getränke sind!).

Energy Drinks sind in der Regel also vegan (darunter auch die bekanntesten Marken). Es ist unüblich, dass tierische Zutaten verwendet werden – aber die Ausnahme bestätigt die Regel. So gibt es zum Beispiel Energy Drinks auf Milchbasis. Auch ist manchmal Karmin zu finden, ein roter Farbstoff, der in den meisten Fällen aus Schildläusen hergestellt wird (kann auch als E120 aufgeführt werden).

9. Welche E-Nummern sind vegan?

Eine grosse Frage. Es gibt Hunderte verschiedene E-Nummern und es ist somit nicht ganz leicht, sich die veganen und nicht-veganen Nummern zu merken. Ein schnelles Googeln im Supermarkt ist also oft die pragmatische Lösung. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass einige E-Nummern nicht in jedem Fall tierischen Ursprungs sind, sondern auch aus pflanzlichen Stoffen hergestellt werden können. Abgesehen davon gibt’s ein paar Anhaltspunkte, um die E-Nummern besser zu verstehen:

Sehr üblich ist der oben bereits genannte Farbstoff E120, der aus Schildläusen hergestellt wird. Bei herkömmlichen rot gefärbten Süssigkeiten oder Getränken ist die Chance gross, dass du darin E120 findest – also besonders bei diesen Produkten genau nachschauen!

Zudem kannst du davon ausgehen, dass die Nummern, die mit E9 beginnen (also E9XX), in den meisten Fällen ebenfalls tierischen Ursprungs sind. Dazu gehört beispielsweise E901 (hinter dieser Nummer verbirgt sich Bienenwachs). Auch E920 (Cystin wird als Mehlbehandlungsmittel in Brotwaren verwendet), ist meistens nicht vegan – denn diese Aminosäure wird oft aus Tierhaaren gewonnen. Allerdings gibt es hier auch vegane Herstellungsmethoden, ganz sicher kann man sich bei E920 also nicht sein.

Ganz abschliessend lässt sich diese Frage ohne weitere Angaben auf der Verpackung nicht beantworten. Im Zweifel muss also beim Hersteller nachgefragt werden.

Dieser Beitrag wurde von unserer Gastbloggerin Annebelle verfasst. Wenn auch du Lust hast, eigene Beiträge rund um das Thema Veganismus zu schreiben, dann melde dich bei nina@vegan.ch 

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